Rettungsdienste hautnah erleben, Polizei und Sanitätern auf die Finger schauen, Rettungstechnik zum Anfassen - dies alles und mehr bot der Tag der Gefahrenabwehr des Landkreises Anhalt-Bitterfeld gestern in Zerbst.

Zerbst. Dicht drängten sich die Zuschauer um ein schrottreifes Fahrzeug, das mitten auf dem Zerbster Markt steht. Vier Verletzte, teils bewusstlos, sitzen in dem ramponierten Unfallwagen, doch Rettung naht: Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Steutz sind vor Ort, bringen Bergungstechnik zum Einsatz. Schon trifft der Rettungsdienst des DRK Kreisverbandes Köthen ein. Hand in Hand arbeiten die Einsatzkräfte zusammen.

Was gestern nur eine der beiden Demonstrationen zur Bergung eingeklemmter Personen nach einem Autounfall war, kann für Jedermann jederzeit ernst werden. Oder man verunglückt bei einem Ausflug, bricht sich das Bein auf einem Aussichtsturm und hofft, dass die Kameraden der Feuerwehr mit einem Hubsteiger zur Rettung kommen, wie sie es gestern an der Aussichtsplattform zwischen den Türmen der Nicolaikirche taten - in 30 Metern Höhe.

Das Publikum honorierte die Vorstellung der Arbeit und das Können der Fachleute mit Applaus und großem Interesse. Nicht nur die eingeladenen Schüler aus dem gesamten Landkreis kletterten in das THW-Fahrzeug, erkundeten die Rettungswagen oder ein Schlauchboot der DLRG. Viele Zerbster nutzten den Aktionstag und schauten auf dem Markt vorbei. Das freute auch Jürgen Dornblut, Mitglied der Arbeitsgruppe, die die Organisation des Aktionstages innehatte, und Zerbster Stadtwehrleiter. "Das Interesse der Kinder war groß - an allen Hilfskräften." Er ist mit dem Verlauf und Zulauf der Veranstaltung mehr als zufrieden. Und der Markt als Veranstaltungsort habe das passende Ambiente vermittelt. "Der Tag fand zum dritten Mal statt und wir müssen uns hinter den beiden Vorgängern nicht verstecken."

Das sahen auch die Gäste aus Köthen und Bitterfeld so. Beispielsweise konnten sich die Jugendrotkreuz-Helfer des DRK Kreisverbandes Köthen nicht über Langeweile beklagen. Gruppenweise standen Kinder am Infostand, ließen sich Verbandskästen zeigen oder lernten, wie ein Verband selbst anzulegen ist. "Die Resonanz ist wirklich gut", fasst Geschäftsführerin Jeannette Wecke zusammen.

Dem stimmte auch Klaus Walter, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Köthen, zu. Etliche Schüler meisterten deren Fahrradparcours oder lernten, wo der tote Winkel zu finden ist. Die Kinder der Freiwilligen Feuerwehr aus Zabitz bei Köthen zeigten Klein wie Groß, wie mit einem Löschschlauch, zielgenau Wasser gespritzt werden kann. Die Polizei blitzte ausnahmsweise mit Vorankündigung oder stellte einen Fahrsimulator zur Verfügung.

Man ist dem Ziel des Tages gestern doch sehr nah gekommen, das Landrat Uwe Schulze wie folgt formulierte: "Wir wollen heute nicht nur für die Technik begeistern, sondern für das Thema Gefahrenabwehr und Bevölkerungsschutz sensibilisieren." Dabei könne man im Alltag bereits mit kleinen Dingen den Rettungskräften helfen: Rettungswege freihalten und nicht zuparken, nannte Schulze ein Beispiel. Aber auch in Sachen Nachwuchsgewinnung war der Tag wichtig. Vielleicht zieht es ja nun doch den einen oder anderen Schüler zu einer Kinderfeuerwehr, Wasserwacht, dem Jugendrotkreuz oder dem Technischen Hilfswerk.

   

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