Der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss hat sich einstimmig hinter Bürgermeister Helmut Behrendt gestellt. Jener hat Ende Januar das "gemeindliche Einvernehmen" gegen eine abgespeckte Variante einer Schweinemastanlage auf dem Flugplatz verweigert.

Zerbst l "Flugplatz Zerbst" - der Begriff ist seit Abzug der einstigen GUS-Militärs 1992 Dauerbrenner in der öffentlichen Diskussion. Aktuell wird in den kommunalpolitischen Gremien wieder einmal über eine Schweinemastanlage auf dem Gelände diskutiert. Die "Görtz Zerbst GmbH Co Agrar KG" hat ihr Schweinemast- und Biogasprojekt von 2006 in reduzierter Form neu beim Landesverwaltungsamt Halle eingereicht und Genehmigungsantrag gestellt. Nunmehr sollen 7680 Ferkelaufzuchtplätze und 8192 Schweinemastplätze errichtet und betrieben werden. Die anfallende Gülle soll lediglich noch vor Ort gelagert werden. Eine Biogasanlage ist dem Vernehmen nach im neuen Antrag genauso wenig enthalten wie beispielsweise Abluftreinigungsanlagen.

Letzteres führt nun offenbar dazu, dass die Luftschadstoff-Emissionen, insbesondere auch die Gerüche, in etwa derselben Dimension auftreten würden wie in der ursprünglich doppelt so großen, aber mit Abluftreinigung geplanten Anlage. Dies ist für Peter Kremer, Fachanwalt der Stadt Zerbst, der ausschlaggebende Grund, sich gegen das neu aufgelegte Schweinemast-Projekt auszusprechen. Dieser Empfehlung folgte der Zerbster Bürgermeister am 19. Januar, unmittelbar vor Fristablauf.

Altes Projekt abgespeckt

Im Herbst 2010 hatte das Landesverwaltungsamt nach öffentlicher Auslegung der Planung eine öffentliche Anhörung zu den einzelnen Argumenten in der Zerbster Stadthalle vorgenommen. In Auswertung der dreitägigen Erörterung hatte das Amt dann dem Antragsteller (Görtz) mitgeteilt, zu einzelnen Details Nachberechnungen anzustellen, damit das Projekt nicht abgelehnt werden müsse. Dem Vernehmen nach hatte seinerzeit die Gefährdung der Produktion der Firma Rätzel an ihrem Standort in Pulspforde maßgeblichen Eindruck hinterlassen. In der Firma werden Gewürze verpackt. Gestank einer Schweinemast- oder Biogasanlage hätte die Gewürze verdorben.

In der Folge tat sich 2011 lange Zeit nichts. Im Herbst dann jedoch beantragte die Görtz KG eigenständig ein um die Hälfte an Tierplätzen reduziertes Projekt. Dieses Projekt durchläuft nun die einzelnen Genehmigungsphasen. In dem Zuge war die Stadt Zerbst als Standortkommune um ihr gemeindliches Einvernehmen gefragt worden. Dies hat Behrendt verwehrt. Nun will sich auch der Stadtrat hinter des Bürgermeisters Position stellen. Der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss jedenfalls hat am Dienstagabend kommentarlos dafür gestimmt, das Einverständnis zu verwehren.

Luftsportler stellen B-Plan auf

Das Schweinemast-Projekt hat auch einen direkten Nachbarn zum Gegner: den Luftsportverein Zerbst. Dessen Vorsitzender Roland Prokop hat im Herbst 2010 keinen Zweifel daran gelassen, wie wenig ihm und den vereinssportlichen Mitstreitern eine Schweinemastanlage in unmittelbarer Nachbarschaft gefallen würde. Dies und die verschiedensten Aktivitäten auf dem Vereinsgelände im vorigen Jahr haben den Luftsportverein nun veranlasst, einen Bebauungsplan für sein Gelände aufzustellen.

Auf dem B-Plan zu dem rund 29,6 Hektar großen Vereinsgelände sollen die Aktivitäten des Motorsportclubs, des Fallschirmsportvereins, des Modellflugfreizeitclubs und natürlich die des Luftsportvereins genau fixiert werden. Ferner soll ein Aktionsgelände definiert werden, auf welchem bereits eingeführte Veranstaltungen wie die Viertelmeilenrennen oder die German Stunt Days stattfinden können. Dafür wird auch ein Bereich für zeitweise Camping-Nutzung vorgesehen. "Wir schaffen hierdurch Planungssicherheit, wir sichern unser Gelände auch gegen Einflüsse von außen ab. Wir rechnen damit, dass Auswirkungen der Schweinemäster mit unsere Tätigkeiten unvereinbar sind. Also ist das Schweinemast-Projekt abzulehnen", so Prokop gegenüber der Volksstimme. Der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss hat dem Aufstellen des Bebauungsplanes zugestimmt. Normalerweise müsste auch der Flächennutzungsplan des Stadt Zerbst in diesem Bereich geändert werden. Ein diesbezüglicher Beschluss wurde vorerst nicht behandelt.