Dresden - Marokko - Mauretanien - Gambia; 7000 Kilometer, Sahara, Atlas-Gebirge, afrikanisches Niemandsland. Was Ingo Speckmann vorhat, klingt ein bisschen verrückt. Er selbst bezeichnet es lachend als "total bescheuert". Der 50-jährige Magdeburger will im November mit einem Trabi von Dresden nach Banjul fahren. Einfach so - weil er es eben will.

Es ist nicht das erste Mal, dass er an der sogenannten "Dresden-Banjul-Rallye", deren Mitorganisator der Magdeburger Torsten Schulze ist, teilnimmt. Bereits 2007 durchquerte er mit einem alten Mercedes-Bus die Wüste und 2008 mit einem 353er Wartburg. Nun will er die Tour mit einem Trabi fahren und zeigen, dass er eben nicht aus Pappe ist.

Zurzeit laufen hierfür die Vorbereitungen. Als Inhaber einer Trabant-Vermietung bastelt er gekonnt an einem gletscherblauen 601 Kombi, den er für die Rallye auserkoren hat. Ein neuer Motor, ein neues Getriebe, Hinterachse verstärken, Vorderachse mit Frontblech schützen - vor Ingo Speckmann liegt noch viel Arbeit. Doch eine gute Vorbereitung sei die halbe Strecke, weiß er. Er muss sorgfältig sein, alles bedenken, mögliche Reparatur-Szenarien im Kopf durchspielen und vor allem den Motor gut einfahren. Denn das Schlimmste, das ihm auf dieser Tour passieren kann, sei ein Motorschaden. Für einen Ersatzmotor ist in der Rennpappe nämlich kein Platz. Außerdem koste jedes Kilo mehr an Bord kostbaren Sprit. Bis Spanien wäre das ja kein Problem, ab Marokko allerdings schon. "Hin und wieder sind da nämlich die Tanken leer." Auch in der Wüste dürfte er auf dem Trockenen sitzen. Deshalb muss er für die gut 500 Kilometer durch die Sahara mindestens 60 Liter Reserve-Sprit einpacken. Hinzu kommen mindestens 20 Liter Trinkwasser und jede Menge Nahrungsmittel. Bei der letzten Tour hatte er sogar einen Brotbackautomaten dabei. Dieses Mal setzt er auf Brot in Konserven.

Auch ein paar Ersatzreifen und ein bisschen Werkzeug will er einpacken. Mehr aber nicht. "Ich brauch ja auch noch Platz für ein Nickerchen zwischendurch."

Die Tour fährt Ingo Speckmann übrigens allein. Lediglich seine "Fußhupe", wie er seinen Westi Benny liebevoll nennt, begleitet ihn. Angst, ihm könnte in der "Pampa" etwas passieren, hat er nicht. Dabei ist er auf den vergangenen Touren schon das ein oder andere Mal in brenzliche Situationen gekommen - nur wusste er das zu dem Zeitpunkt nicht. "Im marokkanischen Niemandsland musste Benny mal Pipi", erzählt er. "Da bin ich ausgestiegen und \'ne Runde mit ihm Gassi gegangen. Was ich erst nicht mitbekommen habe: Rechts und links im Gebüsch saßen welche mit ihren Kalaschnikows."

Abgesehen von ein paar entlegenen Streckenabschnitten sei die Tour aber seiner Meinung nach "relativ" sicher. Das Einzige, was passieren könnte: "Der Trabi reißt irgendwo im Nirgendwo zwischen Marokko und Gambia die Hufe hoch."

21 Tage hat Ingo Speckmann für die Strecke Zeit. Abgesehen von ein paar vereinbarten Treffpunkten, an denen er auf seine Mitstreiter stößt, fährt er die Tour allein. Wenn er in Banjul angekommen ist, soll sein Trabi für einen guten Zweck versteigert werden. Das Geld komme dann einer gambischen Kfz-Werkstatt zugute. Den Wartburg der 2008er Tour habe damals der gambische Innenminister für 330 Euro ersteigert. (kae)

Bilder