Magdeburg. Nach der Elbeflut im Juni hatte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) einen Kurswechsel verkündet: Um Investitionen, insbesondere in den Hochwasserschutz, zu beschleunigen, sei er bereit, vom strikten Spardiktat abzurücken. Im ersten konkreten Schritt legte der Rathauschef in Sachen Strombrückenverlängerung über Zoll- und Alte Elbe eine Kehrtwende hin: Hatte er vor Jahresfrist aus finanziellen Erwägungen vehement für eine Brücke mit Pfeilern im Flussbett gekämpft, zog Trümper nun die verworfene Pylonbrücke mit Schrägseilen - mit fast 58 Millionen Euro soll sie etwa sechs Millionen mehr kosten als die Pfeilerbrücke - wieder aus der Schublade.

Diese soll sich schneller bauen lassen und die Situation bei Hochwasser nicht durch zusätzliche Pfeiler möglicherweise noch verschärfen. Dass eine deutliche Mehrheit im Stadtrat in der Brückenfrage mit oder im Falle der Grünen gar neu auf den OB-Kurs umgeschwenkt ist, bewies die entscheidende Abstimmung am Montagabend mit großer Mehrheit pro Pylon (sechs Gegenstimmen).

"Unter normalen Umständen wären wir weiter der Meinung, dass die Anna-Ebert-Brücke rekonstruiert werden und den normalen Verkehr aufnehmen soll", erklärte Wolfgang Wähnelt den Schwenk seiner Grünen-Fraktion: "Aber durch das Hochwasser war die Ebertbrücke gefährdet. Wir brauchen eine sichere Evakuierungssituation und müssen uns deshalb von unserer Lieblingsvariante - nur die Anna-Ebert-Brücke - verabschieden. Nach wie vor muss die denkmalgeschützte Ebertbrücke aber saniert und erhalten werden."

Hans-Jörg Schuster (FDP) las seine Stellungnahme sicherheitshalber ab, "damit ich hier nicht ausraste", wie er erklärte. "Der beschlossenen Pfeilervariante ist der Vorzug zu geben, weil sie dem Erscheinungsbild der Strombrücke in logischer Fortsetzung am nächsten kommt, die benachbarten Brücken Anna-Ebert- und Zollbrücke nicht dominiert und keine städtebaulich unpassende Dominante wie eine Schrägseilbrücke mit 60 Meter hohem Stahlbetonturm schafft. Nicht außer Acht gelassen werden sollte auch die Kostenfrage", trug er konzentriert vor.

Frank Theile (Linke) drückte hingegen wie der OB aufs Tempo pro Pylon: "Wir sollten aufhören, ellenlang zu debattieren. Die Pylonbrücke ist die ökologisch verträglichste Variante und sie ist am schnellsten zu realiseren." Der Baubeigeordnete Dieter Scheideman (parteilos) betonte ebenso den "Zeitfaktor": "Grund für den neuen Vorschlag sind die Erfahrungen aus dem Hochwasser, vor allem die Tatsache, dass wir mit dem Nordbrückenzug nur über einen beständigen Brückenzug gerade im Katastrophenfall und für Evakuierungen verfügen." Magdeburg brauche schnell die zweite Elbquerung. Da die Pylonbrücke nicht mit Pfeilern zu stark in das naturgeschützte Flussbett der Alten Elbe eingreife, sei sie gewiss schneller zu realisieren, denn jahrelange Verhandlungen mit den Umweltbehörden würden entfallen.

SPD und CDU/BfM forderten allerdings gemeinsam mit den Grünen eine "schlankere" Stahlkonstruktion. Sie setzten durch, dass in der weiteren Planung auch noch einmal Varianten, etwa mit zwei kleineren Pylonen oder einem Brückenbogen, zur Prüfung auf den Tisch kommen. In der CDU herrscht bei einigen die Sorge, der Pylon in der Größe der Hochhäuser auf dem Werder habe das Zeug dazu, Magdeburgs Stadtsilhouette "zu verschandeln". "Das will ich meiner Stadt nicht antun", so CDU-Mann Hubert Salzborn.