Magdeburg. Warum ihn die GWA-Gruppe aus Rothensee kürzlich eigentlich eingeladen hatte, wusste Hans-Werner Brüning gar nicht so genau. Erwartet hatte der Sozialbeigeordnete wohl Kritik an der neuen Außenstelle der Asylunterkunft in der Straße Am Deichwall. Doch die Rothenseer überraschten ihn, indem sie einfach nur Aufklärung darüber suchten, wer ihre neuen Nachbarn sind.

In den versteckt gelegenen Häusern und einer Containerbaracke in unmittelbarer Nähe zum Umspannwerk fanden zuvor Obdachlose Unterschlupf. Diese wurden inzwischen im früheren Frauenhaus in der Basedowstraße untergebracht, dafür wohnen Am Deichwall jetzt Flüchtlinge und Asylbewerber, vorrangig jene, die alleine nach Deutschland gekommen sind.

Nötig wurde das durch den sprunghaften Anstieg der von der zentralen Aufnahmestelle in Halberstadt nach Magdeburg zugewiesenen Flüchtlinge. Waren es in der Vergangenheit oft weniger als 200 pro Jahr, werden es in diesem Jahr 378 sein, so Brüning. Angesichts von Konflikten wie dem in Syrien wird die Zahl nicht sinken. Deshalb werde die Außenstelle mindestens bis 2015 betrieben. "Es besteht die feste Absicht, die Häuser danach zu veräußern", erklärte der Beigeordnete.

Laut Brüning hat der Stadtrat erst im April ein dreistufiges Konzept beschlossen. Demnach sollen Asylbewerber zunächst nur für kurze Zeit in der Zentralunterkunft wohnen. Dann sollen sie in einer Art WG in von der Stadt angemieteten Wohnungen unterkommen, bevor sie im dritten und letzten Schritt bereits so weit integriert sind, dass sie eine eigene Wohnung anmieten können. Dabei kooperiere die Stadt im Moment nur mit der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, bei privaten Genossenschaften sei es schwerer, so Brüning.

Die GWA wünschte sich einen ständigen Vertreter der Asylunterkunft bei ihren Treffen, so dass man sich gegenseitig über Neuigkeiten informieren kann. Der Beigeordnete war sofort dazu bereit und versprach, mit den Mitarbeitern zu sprechen. Die Rothenseer erklärten ihm, dass die Bewohner der Unterkunft seit Jahren konfliktfrei im Stadtteil leben, die Kinder in Kita und Schule integriert sind. "Rothensee ist tolerant und hilfsbereit", hieß es. Brüning sprach von einer "hervorragenden Willkommenskultur", die positiv für den Ruf des Stadtteils sei.