Magdeburg l Dass OB Lutz Trümper eigentlich noch Urlaub hat, aber gemeinsam mit seinen Beigeordneten Holger Platz (Ordnung), Dieter Scheidemann (Bau) und Klaus Zimmermann (Finanzen) am Freitag eine Pressekonferenz zum Kleingartenkonzept abhielt, zeigte, wie angespannt die Lage ist.

"Die Abstimmung über die Fortschreibung des Kleingartenkonzeptes der Stadt Magdeburg wird verschoben", sagte Trümper. Das Konzept soll nicht - wie ursprünglich geplant - bereits im Oktober-Stadtrat zur Abstimmung stehen, sondern erst im Januar. "Wir wollen eine klare Position des Verbandes zu dem Konzept", so Trümper weiter. Vorher passiere gar nichts. Der OB räumte ein, dass der ursprüngliche Zeitplan zu ambitioniert gewesen sei. "Wir werden hier nichts beschließen, was der Verband nicht will", sagte Trümper.

Damit stehen die Zeichen allerdings auf Patt. Denn der Verband der Kleingärtner hatte zwar bereits seine Zustimmung zu dem Konzept signalisiert, aber gesagt, dass die Verwaltung hier letztlich Entscheidungen treffen müsse. Der stellvertretende Verbandsvorsitzende Bernhard Ruth verlangte vom Rathaus etwa einen klaren Zeit- und Finanzierungsplan für den Umbau der Kleingartenlandschaft.

Heißer Herbst am Gartenzaun


So steht den Magdeburger Kleingärtnern ein hitziger Herbst bevor. Laut Kleingartenentwicklungskonzept sollen in den nächsten zehn Jahren bis zu 4000 Schollen im Stadtgebiet weichen. Grund ist der immer größer werdende Leerstand in den Sparten. Die meisten Gärten (1900) sollen in Bauland umgewidmet werden.

"Es wird keine Sparte ohne Zustimmung des Verbandes und der betroffenen Vereine geschlossen", sagte Trümper nun und betonte, dass es sich vorerst um ein Konzept handelt.

Das gelte aber nur für Sparten, die in Bauland umgewidmet werden sollen. "Bei Infrastrukturmaßnahmen oder Industrieansiedlungen brauchen wir kein Konzept. Das machen wir", sprach Trümper Klartext. Aber auch für Eigenheime sei der Bedarf in der Stadt da. "Wir haben derzeit 300 Anträge für Eigenheime", so Trümper. Über diese Interessen müsse neben denen der Kleingärtner auch gesprochen werden.

Unterdessen hatten viele Laubenpieper von den Plänen aus der Volksstimme erfahren - offenbar auch Trümpers eigene Parteikollegen. "Auch für uns kam das Konzept zu dieser Zeit überraschend und ich kann die Aufregung darüber verstehen", sagte SPD-Fraktionschef Jens Rösler. Man werde einer Wohnbebauung von Gartenland nur im Ausnahmefall zustimmen. Auch die Linken betonten, dass das Konzept so nicht hinnehmbar sei.

Kommende Woche Dienstag und Mittwoch hat der Kleingartenverband zu Informationsveranstaltungen geladen. Mehrere Vereine haben bereits Protest angekündigt. Anführer dieser Proteste ist der Vorsitzende der Magdeburger Gartenpartei, Roland Zander, dessen Sparte auch von Umbauplänen betroffen ist. "Das ist eine Farce", sagt er und kündigte an, gemeinsam mit 500 Kleingärtnern vor dem Verbandsgebäude zu demonstrieren.