Eine flapsige Bemerkung des Stadtoberhauptes sorgt für Ärger bei Mitarbeitern des Uniklinikums. Der Vorwurf, sie würden eher Anliegerstraßen zuparken, statt Geld für einen Stellplatz zu bezahlen, zielt offenkundig weit an der Wahrheit vorbei.

Magdeburg l Angestellten des Institutes für medizinische Mikrobiologie muss bei der gestrigen Volksstimme-Lektüre zur morgendlichen Frühstücksrunde wohl beinahe die Kaffeetasse aus der Hand gefallen sein. Eine Mitarbeiterin übermittelt am Redaktions-Telefon namens ihrer Kollegen jedenfall ein hohes Maß an Empörung über den Inhalt einer 16-Zeilen-Notiz im Lokalteil.

Unter dem Titel "Parkplatzmangel rund ums Klinikum" wurde über die kurze Anfrage eines FDP-Stadtrates bezüglich der anhaltenden Parkplatzprobleme im Umfeld des Klinikums an der Leipziger Straße berichtet. Der Liberale Helmut Hörold wollte vom Oberbürgermeister im Sinne geplagter Anwohner Lösungsmöglichkeiten wissen. Lutz Trümper reagierte kurz und knapp und mit Verweis auf seine Kenntnis der Lage aus seiner eigenen Tätigkeit als Klinikums-Baudezernent bis zum Jahr 2000 (siehe nebenstehendes Zitat). Im Kern nannte Trümper das Problem "nicht lösbar", weil der Mensch (sprich der Klinikumsmitarbeiter) gerne nach kostenlosen Alternativen suche, wo er sonst Geld für einen Bezahl-Parkplatz ausgeben müsste.

Eine gewisse Allgemeingültigkeit mag Trümpers These vom menschlichen Sparwillen wohl haben, im konkreten Fall zielt sie allerdings offenbar meilenweit an der Realität vorbei.

Am Beispiel des Institutes für medizinische Mikrobiologie an der Ecke Leipziger/Brenneckestraße stellt sich die Lage so dar: Von etwa 70 Mitarbeitern hat etwa ein Viertel einen Parkplatz auf dem Klinikumsgelände und zahlt dafür pro Nutzer 7 Euro Monatsgebühr. Viele weitere Mitarbeiter würden liebend gerne diese 7 Euro monatlich zahlen und auch die 10 Euro, auf die der Satz ab Frühjahr 2012 steigen soll. Es seien aber schlicht keine freien Plätze zu kriegen.

Jürgen Wagner, für die Parkplatzbewirtschaftung zuständiger Abteilungsleiter im Geschäftsbereich Logistik des Uniklinikums, kann die so beschriebene Situation nur bestätigen. "Es gibt eine deutlich höhere Nachfrage nach Stellplätzen, als wir sie befriedigen könnten", sagt er auf Nachfrage und: "Es ist falsch, dass Mitarbeiter nicht gewillt sind, für einen Parkplatz zu bezahlen."

Konkret verfüge das Klinikum am Standort aktuell über 1480 Stellplätze, wovon 1060 für Mitarbeiter reserviert seien, der Rest für Besucher. Demgegenüber zählt die Belegschaft am Standort 4090 Köpfe. Wagner: "Viele wären sogar bereit, mehr als gefordert für einen Parkplatz auf dem Gelände zu bezahlen, aber das können wir nicht machen. Die Kapazität ist begrenzt." Nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel sei vor einigen Jahren ein bestimmtes Budget an Parkmarken an die einzelnen Einrichtungen (Kliniken, Institute etc.) des Klinikums verteilt und von den Chefs an die Mitarbeiter weitergereicht worden - freilich längst nicht an alle.

Am virtuellen "Schwarzen Brett" des Klinikums auf der hauseigenen Internetseite gibt es sogar einen separaten Unterpunkt namens "Parkmarken". Während es ringsum von Angeboten für Kinderausstattung, Mietwohnungen, Feriendomizile etc. wimmelt, ist höchst selten mal eine Marke zur freien Einfahrt aufs Klinikumsgelände zu erhaschen.

Volksstimme-Leser Lennart Starr, der sich nebst weiteren Betroffenen gestern per E-Mail in der Redaktion zu Wort meldete, weiß von "langen Wartelisten" auf Mitarbeiterparkplätze, "auf denen die Namen unzähliger Krankenschwestern stehen". Sie müssten - auch nach Spät- oder Nachtdiensten nicht selten vom Klinikum bis zum Parkplatz des Technikmuseums in der Dodendorfer Straße laufen, weil sie zu Arbeitsbeginn nur dort einen Stellplatz fänden. Viele hätten dabei nicht gerade das beste Sicherheitsgefühl.

"Die Worte des Herrn Dr. Trümper klingen einleuchtend, doch dürfte er als ehemaliger Dezernent nicht vergessen haben, dass die einst geschaffenen Parkplätze auf dem Campus doppelt und dreifach vergeben wurden und die Klinik somit einen nicht unerheblichen Reibach mit der Parkplatznot der zumeist im Schichtdienst arbeitenden Angestellten macht. Die Realität ist nicht, dass der geizige Mitarbeiter freiwillig auf die kostenfreien Plätze in den umliegenden Straßen ausweicht, sondern er erst gar nicht die Möglichkeit erhält, einen Platz auf dem Campus zu ergattern", schreibt Starr. Er ist sicher, dass die Mehrheit der Mitarbeiter bereit sei, Gebühren für einen Parkplatz zu zahlen und fordert von den Verantwortlichen, die seit Jahren bekannte Problematik anzupacken, sprich, neuen Parkraum auf dem Gelände zu errichten.

Dafür wiederum wäre Hartmut Muchin, Geschäftsbereichsleiter Technik und Bau am Uniklinikum, verantwortlich. Er bestätigt die angespannte Lage, macht aber wenig Hoffnung auf schnelle Abhilfe.

"Wir waren vor einigen Jahren mit zwei privaten Investoren über den Bau eines Parkhauses im Gespräch. Für sie ließ sich das Ganze aber nicht wirtschaftlich darstellen." Für einen Stellplatz wären deftige Monatsmieten von rund 65 Euro angefallen. Auf die Frage, ob sich das Klinikum dann nicht selbst in der Pflicht sehen müsse, den Bau von Parkhäusern oder Tiefgaragen zu stemmen, verweist Muchin auf den begrenzten Investitionshaushalt der Einrichtung, die - wie die gesamte Universität - unter Landesregie steht. "Wir haben an noch anderen Stellen mit einem Investitionsstau zu kämpfen."

Fazit: Anwohner wie Mitarbeiter des Uniklinikums leiden gleichermaßen unter den Widrigkeiten der Stellplatznot im Bereich. Ohne den Bau neuer Stellplätze auf dem Klinikumsgelände oder in dessen Umfeld wird die Lage nicht zu entschärfen sein.

 

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