In der Sudenburger Scala-Gemeinde weht seit wenigen Wochen ein anderer Wind. Mit Marina Franz steht eine Seelsorgerin an der Spitze der freikirchlichen Gemeinde, die das bekannte Kino wieder mehr für die Öffentlichkeit öffnen möchte.

Sudenburg l "Immer mehr Menschen entdecken ein spirituelles Vakuum in ihrem Leben", glaubt Marina Franz und fügt hinzu, "dass die Menschen neben Wohlergehen für Geist und Seele noch etwas anderes suchen". Dies zeige beispielsweise der Boom sogenannter Geburts-Horoskope, die Eltern für ihre gerade geborenen Kinder in Auftrag geben: "Mir liegt sehr am Herzen, in der Scala-Gemeinde Angebote für Familien mit Kindern unter drei Jahren zu schaffen, ihnen spirituelle Räume zu öffnen."

"Ich bin eine Bibelübersetzerin"

Seit 1. November hat Marina Franz als verantwortliche Seelsorgerin der Scala-Gemeinde auch die Möglichkeit dafür. Sie selbst versteht sich als Bibelübersetzerin, wenn sie sagt: "Jesus ist alltagstauglich, wenn man umgangssprachlich von ihm redet." Die 50-Jährige hält nicht viel davon, Kirchenlieder aus dem 15. Jahrhundert zu singen: "Man muss die Inhalte in die heutige Zeit und unsere Sprache übersetzen." Zum jüngsten Sudenburger Weihnachtsmarkt sei sie darin ein weiteres Mal bestätigt worden: "Einige Gemeindemitglieder hatten sich als Weihnachtsmänner verkleidet, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Kaum jemand wusste über den Sinn des Weihnachtsfestes Bescheid, denn im Grunde ist es ja eine Geburtstagsparty."

In der Scala-Gemeinde, eine vom Staat unabhängige Kirche im Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden, werde Klartext gesprochen: "Wir gehen offen mit unserem Glauben um." Das komme an, denn unter den 56 Gemeindemitgliedern gibt es viele junge Leute: "Vorrangig Studenten, die unseren Gottesdiensttermin, sonntags 11 Uhr, zu schätzen wissen." Man pflege einen modernen Stil im Gottesdienst, die Sprache sei bodenständig und heutig. Marina Franz hält es für ihren Auftrag, möglichst viele der konfessionslosen Sudenburger und Magdeburger zu erreichen: "80 Prozent der Menschen in der Stadt sind kirchlich ungebunden."

Seit November 2011 ist Marina Franz Nachfolgerin von Dominique Pfeiffer, der nach seiner Eheschließung nach Jena verzogen ist. Die 50-Jährige lebt seit 20 Jahren in Sachsen-Anhalt, hat drei erwachsene Kinder, einen Enkel und ein Lebensmotto: "Ich möchte die Liebe, die ich real von Gott empfangen habe, an andere Menschen weitergeben, damit sie auch in ihrem Leben wirksam wird." Sie glaubt fest daran, "dass Liebe den Menschen verändert - und zwar von innen heraus".

Vier Mal Seniorenkino

Die Scala-Gemeinde habe allein durch das geschichtsträchtige Gebäude eine Sonderstellung: "Wir möchten den Kinosaal den Sudenburgern häufiger öffnen." Zwar fehle es der Gemeinde an hauptamtlichem Personal, doch je mehr Mitglieder sich ehrenamtlich engagieren, desto häufiger könne das Scala als Ort von Begegnung, Kultur und Kommunikation geöffnet sein. So wie am 14. Dezember, als der kabarettistische "Engelalarm" den Saal fast komplett füllte. Oder wie am 21. Dezember, als ein Senioren-Kino stattfand.

Marina Franz: "Das kam so gut an, dass wir es im neuen Jahr gleich viermal wiederholen möchten - mit bekannten Filmen, die die Menschen gern noch einmal auf großer Leinwand wiedersehen möchten."