Buckau l Neue Ideen für alte Werkshallen? Die kann die Stadt gut gebrauchen, schließlich stehen noch immer Dutzende frühere Produktionshallen leer und verfallen. Für zwei solcher Hallen in Buckau gibt es nun Hoffnung auf Wiederbelebung. "Werk 4", eine Interessengemeinschaft (IG) aus Vereinen für Freizeit und Trendsportarten, will es wagen und das Gelände in der Brauereistraße 4 in einen gemeinsamen Freizeit- und Trainingsstandort verwandeln. Auch eine Kletterhalle ist geplant.

Beteiligt am "Werk 4" sind unter anderem der 5-Elemente e. V. als gemeinnütziger Verein zur Förderung von Kultur, Kunst, Sport, Jugend und Bildung, der Senshi-Parkour Magdeburg (für Traceure; das sind Akrobaten/Stuntkünstler, die im öffentlichen Raum Hindernisse überwinden), außerdem Sk8-tv für Skater sowie "Klettern-MD" für die Gemeinschaft der Kletterer und Boulderer (Klettern an Wänden oder Felsblöcken ohne Seil in Absprunghöhe).

Auf Brachen, Mauern, Gleisen

Diese Vereine mit dem 5-Elemente e. V. an der Spitze wollen das "Werk 4" gemeinsam stemmen, denn sie finden, es fehlt in Magdeburg ein zentraler Ort mit geeigneten Trainingsflächen vor allem im Winter. Momentan üben die zumeist 11- bis 25-Jährigen ausschließlich auf öffentlichen und nicht öffentlichen Plätzen wie Stadtmauern, Brachen, Gleisen und in Parkanlagen. Legal wie auch illegal. Das sei kein Dauerzustand und vor allem auch nicht geeignet, die Verbreitung solcher Trendsportarten zu fördern. Es herrsche große Unzufriedenheit über die fehlenden Angebote gerade in der kalten Jahreszeit, berichten die Initiatoren.

Das soll sich in Zukunft mit der Umnutzung des Areals des ehemaligen VEB Sauerstoff und Acetylen Werkes in der Buckauer Brauereistraße, kurz hinter dem Abtshof-Gelände, ändern. Vor allem die alte Werkshalle II, eine ehemalige Lagerhalle, sei hervorragend als Trainingsstätte für die Trendsportler geeignet, sagen die Akteure. Halle II soll gemeinnützig als Mehrzweckhalle u. a. für die Bewegungssportler, für Bogenschießen, Skaten, Biken, Tanzen, Parkour, Kampfsport, Graffiti und auch Kulturveranstaltungen dienen. Die Stadt, die das gemeinnützige Projekt wohlwollend begleitet, wenn auch im Moment nicht finanziell unterstützt, sieht gute Chancen für einen Umbau. Stadtplanungs- und Bauordnungsamt sind hierbei schon beratend tätig. "Der Umbau der Werkshalle II ist weniger aufwendig als in Halle I", schätzt Magdeburgs Kulturbeigeordneter Rüdiger Koch ein. Koch ist begeistert von der Idee einer vereinsübergreifenden Übungshalle mit Gelände. Das wäre in dieser Form bislang einmalig in der Stadt. Darum wolle man es auch nach Kräften unterstützen, so der Beigeordnete. Geplant sei auch, dass man sich mit Bauordnungsamt und Stadtsportbund an einen Tisch setze, um weitere Schritte zur Unterstützung des Projekts Werkshalle II zu besprechen. Doch zunächst muss die Interessengemeinschaft das Objekt, zu dem mehrere Gebäude und eine Freifläche von ca. 7000 Quadratmetern gehören, vom bisherigen Eigentümer abkaufen.

Das ist die Air Liquide GmbH in Düsseldorf. "Sobald dieser Kauf getätigt ist, können wir uns zusammensetzen und weiter beraten", so Koch. Für ihn ist das Projekt ein Beispiel für eine "bemerkenswerte Subkultur, die das Stadtleben immer stärker bereichert". Ähnlich wie schon beim Triebwerk e. V. in der alten Junkershalle an der Schwiesaustraße gebe es nun auch in Buckau die Chance zur Revitalisierung einer bislang unansehnlichen Industriebrache. Die Hoffnungen sind groß, dass der Wurf gelingt.

Umbau soll noch 2012 starten

Während die alte Werkshalle II von der Interessengemeinschaft gemeinnützig betrieben werden soll, gibt es für die Halle I andere Pläne. Sie soll zur Kletterhalle umgebaut und kommerziell betrieben werden. Hierfür und für den Erwerb des Objekts will die IG Werk 4 eine GmbH gründen. Der Umbau zur Kletterhalle soll möglichst noch in diesem Jahr beginnen, die Einweihung ist für Herbst 2013 vorgesehen.