Magdeburg l Auf den gestrigen Beitrag über die aktuellen Entwicklungen zu den Vorwürfen gegen den Klinikumsgeschäftsführer Andreas Brakmann gingen verschiedene Reaktionen in der Redaktion ein. Einerseits melden sich Mitarbeiter des Klinikums Magdeburg zu Wort, deren Namen der Redaktion bekannt sind, die aber aus Angst vor Repressalien im Job nicht öffentlich genannt werden wollen. Ihr Tenor: "Hier sind fast alle eingeschüchtert." Die Zustände am Klinikum seien unter Brakmanns Führung menschlich unhaltbar geworden.

Brakmann selbst lässt, von der Redaktion erneut um Stellungnahme zu den Anwürfen gegen ihn gebeten, seinen Berliner Anwalt sprechen. Guido Frings übermittelte der Redaktion "als Verteidiger des Herrn Dr. Brakmann" ein anderthalbseitiges Schreiben, in welchem er "sämtliche bislang bekannten gegenüber meinem Mandanten erhobenen Vorwürfe der ,Untreue\'" als "unbegründet" zurückweist.

Rechtsanwalt Frings schreibt weiter: "Der Unterzeichner hat jeden einzelnen gegenüber Herrn Dr. Brakmann erhobenen Vorwurf mit Schriftsatz vom 15.02.2012, gerichtet an die Staatsanwaltschaft Magdeburg, entkräftet. Von einem strafrechtlich relevanten vermögensschädigenden Verhalten des Herrn Dr. Brakmann kann nicht die Rede sein. Es mangelt bezüglich sämtlicher gegen Herrn Dr. Brakmann erhobenen Vorwürfe an einem Tatverdacht. Nach zwischenzeitlich erfolgter Rücksprache mit dem zuständigen Staatsanwalt ist davon auszugehen, dass bezüglich der bislang bekannten Vorwürfe zeitnah eine Verfahrenseinstellung erfolgen wird."

Vizechef des Aufsichtsrates wird mit Anzeige gedroht

Der neue und noch unter Verschluss gehaltene Bericht zu Vorwürfen gegen Brakmann, den externe Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Stadtverwaltung erstellt haben (Volksstimme berichtete), sei "erstaunlicherweise" auch Brakmann selbst bislang nicht zur Kenntnis gebracht wurden. Frings: "Sofern gegenüber Herrn Dr. Brakmann tatsächlich neue Vorwürfe erhoben werden sollten (...), wird hierzu ebenfalls Stellung genommen werden. Der Unterzeichner (Rechtsanwalt Frings - d. Red.) geht davon aus, dass (...) sich etwaige neue Vorwürfe ebenfalls als haltlos erweisen werden. (...) Die bisherige Stellungnahme meines Mandanten, dass er sich nichts vorzuwerfen habe, hat sich bislang bestätigt." Schlussendlich droht Brakmanns Anwalt dem CDU-Stadtrat Jens Ansorge mit einer Strafanzeige wegen Verleumdung. Ansorge, Vizechef des Klinikum-Aufsichtsrates, hatte gegenüber der Volksstimme erklärt, dass Brakmann das Gremium "mehrfach belogen" habe. Der Aufsichtsrat hatte im Dezember die Beurlaubung Brakmanns gefordert.

Heute ist ein Treffen zwischen Brakmann und Oberbürgermeister Lutz Trümper geplant. Trümper verlangt von Brakmann Aufklärung über neuere gegen ihn erhobene Vorwürfe. Am Freitag befasst sich der Verwaltungsausschuss des Stadtrates mit dem erwähnten Prüfbericht und eventuellen personellen Konsequenzen.

Die Sprecherin der Magdeburger Staatsanwaltschaft, Silvia Niemann, konnte eine anstehende Einstellung des Verfahrens gegen Brakmann (Verdacht auf Untreue) gestern weder bestätigen noch dementieren.