Magdeburg (dpa) l Macht sich Angelika Weber mit ihrem Krisenkoffer auf, ist oft Schlimmes zu befürchten. Zu dem greift die Psychologin immer, wenn sie zu einem Notfall an einer Schule gerufen wird. "Ich habe schon fast alles erlebt, was man in diesem Job erleben kann", erzählt die zierliche Frau. Die Palette reiche vom versuchten Amoklauf über die Bedrohung von Lehrern mit Waffen bis hin zum plötzlichen Tod eines Elternteils. Die 56 Jahre alte Helferin ist eine von 22 Schulpsychologen in Sachsen-Anhalt. Rund 14000 Kinder und Jugendliche an Schulen und Berufsschulen gehören zu ihrer Klientel.

Ihr aufsehenerregendster Fall war der versuchte Amoklauf an einem Gymnasium in Ballenstedt 2011: Eine mit mehreren Messern und einer Axt bewaffnete 13-Jährige legte einen Brand. Dann ging sie auf einen Mitschüler los. Lehrer und Polizisten konnten zwar das Schlimmste verhindern. "Doch klingelt das Telefon in einem solchen Fall, wird einem schon mulmig", gesteht die verheiratete Frau aus Thale. "Die größte Gefahr war zwar vorbei, als ich dort eintraf, doch genug zu tun gab es immer noch", sagt sie. "Da gilt es zunächst, klare Strukturen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass rasch Ruhe einzieht." Das müsse im Krisenteam, bestehend aus Polizei, Schulleitung und Notfallseelsorge, zügig geklärt werden. Oft stünden Kinder und Lehrer den Geschehnissen fassungslos gegenüber. Dann müsse geprüft werden, wer am meisten betroffen ist und wer den größten Gesprächsbedarf hat. Auch müsse geklärt werden, was am Tag darauf geschehen soll, zum Beispiel ob der Unterricht fortgesetzt werden kann. "Spätestens bei den Gesprächen mit den Betroffenen kommt dann der Krisenkoffer zum Einsatz", erklärt Weber. Der enthält unter anderem wichtige Telefonnummern, Trauersprüche, ein Plüschtier und Kerzen. "Wenn ein Kind so einen weichen Kuschelteddy im Arm halten kann, wirkt das oft sehr tröstend." Und Kerzenlicht sorge bei den Gesprächen mit Jugendlichen und Erwachsenen oft für eine beruhigende Atmosphäre. "Die Schulpsychologen rücken immer dann ins Rampenlicht, wenn Spektakuläres passiert", sagt der Sprecher des Kultusministeriums, Martin Hanusch. Die normale Arbeit sei wesentlich unspektakulärer.

Angelika Weber wird hauptsächlich tätig, wenn Schüler plötzlich auffällig werden. Die 56-Jährige ist seit 1985 als Schulpsychologin tätig, etwa bei starken Leistungsabfällen und Verhaltensproblemen. Sie versuche dann, die Ursachen herauszufinden und zu vermitteln zwischen Schule und Eltern. Dabei besonders wichtig: Beide Seiten anzuhören.