Das kriminell organisierte Abschöpfen von Daten zum illegalen Geldabheben hat nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) 2010 in Sachsen-Anhalt stark zugenommen. Allein in der ersten Jahreshälfte gab es 68 Angriffe auf Geldautomaten. Die meisten Vorfälle wurden in Halle registriert.

Magdeburg. Noch im Jahr 2009 konnte das LKA in Sachsen-Anhalt einen deutlichen Rückgang bei der Manipulation von Geldautomaten vermelden. Nur fünf Automaten waren angegriffen worden. Lediglich ein Geldautomat in Naumburg wurde tatsächlich erfolgreich abgeschöpft. Den Gesamtschaden für das Jahr 2009 gab das LKA mit knapp 56 000 Euro an. 2008 waren es noch 626 000 Euro bei Angriffen auf 22 Automaten.

2010 haben die Angriffe nun erheblich zugenommen. Auf Nachfrage teilte das LKA gestern mit, dass in der ersten Jahreshälfte 2010 68 Angriffe registriert wurden. Die Schadenssumme beträgt für diesen Zeitraum etwa eine Million Euro. Für die zweite Jahreshälfte 2010 liegen noch keine ausgewerteten Daten vor.

"Die meisten Angriffe gab es in Halle", berichtete LKA-Sprecherin Evelyn Schiener. "Es gab in der Saalestadt 16 Angriffe auf neun verschiedene Automaten", so die LKA-Sprecherin. Auch andernorts wurde im Land versucht, Geldautomaten mehrfach zu manipulieren. Insgesamt erfolgten die 68 Angriffe auf 38 Geldautomaten. In der Rangliste der Städte, die in der ersten Jahreshälfte 2010 von Geldautomaten-Betrügern besonders häufig heimgesucht wurden, folgen auf Halle die Städte Wolfen (8 Angriffe), Zerbst (6 Angriffe) und Bitterfeld, Haldensleben und Magdeburg (jeweils 4 Angriffe).

Auch bundesweit wird ein deutlicher Anstieg beim Datenklau an Geldautomaten verzeichnet. Im ersten Halbjahr 2010 sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes in Deutschland bereits mehr sogenannte Skimming-Fälle registriert worden als im gesamten Jahr 2009. Der Schaden betrug 2009 bundesweit ge- schätzte 40 Millionen Euro.

Beim "Skimming" (Abschöpfen) werden Geldautomaten von Betrügern technisch so manipuliert, dass sie die Karteninformationen und die PIN des Bankkunden mitlesen können. Dies geschieht häufig über Mini-Kameras, die in der Nähe des Geldautomaten befestigt wurden. Entweder sind die Kameras – getarnt als Bauteile des Geldautomaten – über der Tastatur angebracht oder werden zum Beispiel in Feuerlöschern in der Nähe des Automaten platziert.

Mit den so erfassten Daten werden dann "falsche" Blanko-Geldkarten geladen. Deutsche Geldautomaten erkennen in der Regel solche Blanko-Karten. Deshalb heben die Täter mit diesen Karten Geld von den betroffenen Konten zumeist im Ausland ab.

Der Kunde muss anschließend mit Rennerei und Stress leben. Für den eigentlichen Geldverlust durch illegale Abbuchungen kommen in der Regel die Banken und Sparkassen auf. Für Schäden aufgrund von betrügerischen Manipulationen haftet die Kreditwirtschaft. Gegen das Skimming kann sich der Kunde kaum schützen. Er sollte die PIN möglichst verdeckt eingeben.

Hinter dem Datenklau am Geldautomaten stecken in Deutschland zumeist gut organisierte Banden aus Südeuropa. Die abgeschöpften Kontodaten werden häufig sofort an Mittäter in anderen Ländern weitergereicht. Der Einsatz von illegalen Blanko-Karten erfolgt dann in Regionen der Welt, in denen die Verwendung des in Deutschland üblichen neuen internationalen Sicherheitsstandards EMV nicht verbindlich geregelt ist.

Aus Sicht der Kriminalisten des BKA sind vor allem Zahlungssysteme wie MasterCard und VISA gefordert, weltweit ein hohes Sicherheitsniveau zum Wohl der Kunden sicherzustellen.