Magdeburg l Zwei erst unlängst ins Internet eingespeiste Protestauftritte gegen den Niedergang des AMO zählen binnen weniger Tage über 500 Sympathisanten. Unterschriftenlisten füllen sich wie von selbst. Für die Idee zum AMO-"Rückbau" schlägt dem Oberbürgermeister starker Gegenwind ins Gesicht.

Schlechtes Omen? Just, als sich die Volksstimme am Mittwochvormittag mit der Ex-AMO-Chefin Petra Schubert vor Ort verabredet hat, rückt ein Vermessungstrupp an und nimmt am Objekt Maß. Im Auftrag der Stadt, wie sich auf Nachfrage herausstellt: "Für einen Bebauungsplan."

Auch wenn das offenbar fürs gesamte Areal in Arbeit befindliche B-Plan-Verfahren längst nicht automatisch den AMO-Abriss bedeutet: Petra Schubert jagt die Begegnung sichtlich einen Schauer übern Rücken. Die Unruheständlerin ist eine Magdeburger Instanz, war schon vor Wendezeiten zur Kulturpflege bestellt und seit 1990 mit Herzblut fürs AMO aktiv, von 1997 bis 2001 als dessen Leiterin.

Abschied auf Raten schon 2002 eingeläutet?

Den 13. September 2001 beschreibt Petra Schubert als einen Schicksalstag für ihr persönliches und berufliches Wohl und Wehe: "An dem Tag beschloss der Stadtrat, das AMO ab 2002 unter das Dach der Stadthallengesellschaft zu überführen." Für Petra Schubert ist das Datum der Anfang vom nun sehr ernsthaft in Rede stehenden Ende des traditionsreichen Hauses an der Erich-Weinert-Straße. Unterm Dach des Hallenverbundes (heute die Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg MVGM) nahm die Auslastung stetig ab.

Nach der Volksstimme vorliegenden Statistiken zählte das Haus anno 2001 noch 221 Veranstaltungen mit über 220000 Besuchern. Seit 2006 erreicht das AMO mit gut 60 Veranstaltungen jährlich nur noch Auslastungsquoten von um die 30 Prozent. Die Ex-Leiterin führt dies auch auf eine schlechte Vermarktung zurück.

Folglich glaubt Petra Schubert fest an eine blühende Zukunft ihrer einstigen Wirkungsstätte, würde sie nur besser und mit mehr Engagement geführt. Offenbar teilen viele Magdeburger Schuberts Ansicht; jedenfalls steht ihr Telefon nicht mehr still, seit die Schließungs- und Abrisspläne öffentlich sind. Eigentlich sollte die von der Verwaltung aus rein finanziellen Gründen vorgesehene Trennung vom AMO samt "Rückbau" bereits im Juli im Rat zur Debatte stehen - nichtöffentlich. Dagegen protestierten die Grünen mit Unterstützung der Linken erfolgreich. Jetzt soll der Stadtrat am 5. September öffentlich verhandeln: vorerst nur über die Schließung des AMO zum Jahresende 2014. Während OB Lutz Trümper (SPD) aus seiner Haltung keinen Hehl macht (pro Schließung und Abriss des defizitären Hauses; kein Bedarf an Ausschreibung und Wiederbelebung), mehren sich bereits im Vorfeld der Abstimmung die Gegenstimmen aus dem Rat. Linke, Grüne und FDP lehnen einen AMO-Abriss in entsprechenden Wortmeldungen konsequent ab, verweisen auf das identitätsstiftende Potenzial des Hauses und darauf, dass die Stadthalle an Baumängeln krankt; wann die Stadt die Kraft zur Sanierung hat, ist ungewiss.

Kopfschütteln auf der Straße und im Internet

Auch auf den Straßen und im Internet (Facebook-Seiten "Rettet das AMO" und "AMO-Kulturhaus Magdeburg") sorgen die Pläne zum Abriss des Kulturhaus-Denkmals für viel Kopfschütteln. Der im AMO-Anbau beheimatete Grieche sammelt Unterschriften gegen den Abriss im Akkord. Ein Kellner bilanziert am Mittwoch mit glänzenden Augen: "Alle unterschreiben." Auch in vielen Magdeburger Geschäften, Apotheken, Altentreffs und anderen Einrichtungen liegen die Listen aus; Straßensammlungen kommen hinzu. Wie viele Unterschriften bisher zusammengekommen sind, vermag Petra Schubert nicht abzuschätzen. Die Sammlung hat eben erst begonnen.

Am Mittwoch am AMO sind alle spontan angesprochenen Passanten im Bilde zum Thema und gleichermaßen empört über die Abriss-Pläne. Sie wünschen der Ex-Leiterin des Hauses gutes Gelingen beim Kampf um dessen Bewahrung. Sein Ausgang scheint offen und auch vom Interesse Dritter an einer AMO-Wiederbelebung abhängig.

Den Vermesser, der am Mittwoch im städtischen Auftrag ums Objekt streicht, haben die AMO-Freunde jedenfalls auf ihrer Seite. Er sagt grimmig: "Der Abriss dieses Hauses wäre wirklich eine Schande."