Magdeburg l "Ich habe im Laufe der Jahre immer weniger verdient. Da wollte ich einfach mehr Geld", beantwortete der Angeklagte Ronny E. die Frage des Staatsanwaltes, warum er nach zwölf Jahren ohne Gesetzesverstöße wieder mit dem Klauen angefangen habe. 1300 Euro netto hatte der verheiratete Kraftfahrer im Monat zuletzt verdient, erzählte er. Seine Ehefrau trug ebenfalls zum Einkommen bei. So hatte die Familie über 2000 Euro monatlich zur Verfügung. Genug, sollte man meinen, um nicht nachts mit anderen Ganoven auf Diebestour zu gehen. Nun muss der 13-jährige Sohn von Ronny E. eine lange Zeit auf seinen Vater verzichten.

Drei Jahre Haft ohne Bewährung lautete das Urteil am Landgericht Magdeburg gegen Ronny E. und Andreas D., das bereits nach zwei Verhandlungstagen gesprochen wurde. Beide Angeklagten zeigten sich in allen Anklagepunkten geständig. Zwischen November 2012 und April 2013 hatten Ronny E. und Andreas D. in neun Fällen schwere Diebstähle begangen und versucht, Diebesgut weiterzuverkaufen.

Die in den 1990er Jahren mehrfach wegen Diebstahlsdelikten vorbestraften 41-jährigen Männer waren die Köpfe einer Bande, die sich in unterschiedlicher "Besetzung" traf und auf Beutezug im Großraum Magdeburg ging. Gegen vier andere Bandenmitglieder soll später verhandelt werden. Gestohlen wurden Feuerwerkskörper im Wert von über 2000 Euro, Werkzeug, Taschenlampen, Tischdecken, 17 Fahrräder - alles aus Lagerhallen und verschiedenen Discountmärkten.

In erster Linie ging es den Männern aber nach dem Jahreswechsel um Dieselkraftstoff. Denn bereits im November 2012 war der Bande ihr größter Clou gelungen. Ronny E. war nicht davor zurückgeschreckt, die Transport-Firma, in der er damals selbst als Kraftfahrer tätig war, mit seinen Kumpanen heimzusuchen. Nachts wurden abgestellte Lkw aufgebrochen, Tankkarten gestohlen und damit noch in der Nacht 5000 Liter Diesel an verschiedenen Tankstellen "erbeutet". Insgesamt entstand dieser Firma der größte Einzelschaden, den die Bande verursachte: 17.000 Euro. Der Gesamtschaden der Schönebecker "Knaller-Bande" beläuft sich auf etwa 25.000 Euro.

Der Staatsanwalt hatte trotz Geständnisse für alle zur Last gelegten Delikte sogar vier Jahre Haft für beide Angeklagten gefordert. Er sah den Vorwurf einer Bandenbildung als erwiesen an, was die Verteidigung im Verfahren bemüht war, zu widerlegen. Auch läge, so der Staatsanwalt, kein minderschwerer Fall vor. Wände wurden aufgebrochen und das Abpumpen des Sprits sei höchst professionell passiert.

"Für Bandenbildung braucht es keine Gründungsurkunde." - Claudia Methling, Richterin

"Sie haben doch nur eine herkömmliche Gartenpumpe eingesetzt", bemühte sich Verteidiger Horst Köhler, die Professionalität der Täter herunterzuspielen. In seinem Plädoyer stellte er in Frage, dass es überhaupt eine Bande gegeben habe. "Eine Bande ist eine verfestigte Organisation, die gefährlich agiert. Hier gab es keine Gründungsversammlung, man hat sich eher zufällig getroffen." Das Vorgehen bei den Raubzügen habe sich eher durch Unprofessionalität ausgezeichnet. Beide Verteidiger hatten eine zweijährige Bewährungszeit für ihre Mandanten gefordert.

Die Vorsitzende Richterin, Claudia Methling, sah in ihrer Urteilsbegründung den Vorwurf der Bandenbildung bestätigt. "Da braucht man auch keine Gründungsurkunde und keinen Mitgliedsbeitrag, um zu erkennen, dass dies eine Bande war." Das habe sich schon allein aus dem gewerbsmäßigen Vorgehen der Gruppe ergeben.

Allerdings wurde es den Angeklagten beim Dieselklau auch zuweilen recht einfach gemacht. Vielfach trafen sie, so ergab die Befragung der Angeklagten und Polizisten, auf ungesicherte Firmengelände und unverschlossene Tankanlagen. Insgesamt, so zeigen die Fallzahlen der Polizei (Grafik), haben die Fälle von Benzin- und Dieseldiebstahl in Sachsen-Anhalt in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Gegen das Urteil können die beiden Angeklagten in den nächsten sieben Tagen Revision einlegen.

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