Sydney l Ein Blick, und es ist um Elvis geschehen - die "Neue" mit den großen schwarzen Augen, den silber-dunkelblauen Schuppen und dem säuselnden Tuckern hat dem 50-jährigen Leistenkrokodil im Nu den Kopf verdreht. "Victoria" heißt die Schöne, sagt ihr Namensschild. "Endlich", denkt Dauer-Single Elvis, "habe ich auch mal Glück!" Das wurde auch Zeit, schließlich ist er in den besten Jahren, mit 500 Kilogramm von schlanker Gestalt und bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren äußerst erfolgreich entlang der Nordküste Australiens auf Jagd nach Vögeln, Schildkröten, Fischerbooten und Menschen gegangen. Okay, in seinem Altersruhesitz, einem Reptilienpark eine Stunde nördlich von Sydney, hat Elvis beim Tanzabend "Rock around the croc" bereits zweimal vielversprechende Damenbekanntschaften gemacht. Aber die Ladys waren ihm immer ein bisschen zu schnell eingeschnappt, zu kaltblütig, kurz: nicht sein Geschmack, wie er spätestens nach einem kräftigen Happs feststellen musste.

Victoria ist anders - feurig und brummend umkreist sie sein Becken, im Schlepptau einen dieser rosa-fleischigen Zweibeiner. Elvis will seine Angebetete kurzentschlossen zu sich ins kühle Nass ziehen, doch Victoria ist kein leichtes Mädchen. Zwei Zähne beißt sich der Krokodil-Mann an der temperamentvollen Vicky aus, bevor die beiden schließlich vereint im Wasser planschen.

Glück pur für Frührentner Elvis, und auch Victoria ist sprachlos angesichts des Liebesrausches. "Da wäre selbst Crocodile Dundee neidisch", freut sich Elvis und besorgt zum Abendbrot ein paar leckere Kängurusteaks für sich und seine Liebste. Für ihn steht fest: "Diese Frau lässt du nicht mehr gehen." Während Elvis für Vicky eine romantische "Schnappi"-CD auflegt und seine morgens verlegte Brille aufsetzt, wundert er sich nur, warum der Gärtner mit dem Rasenmäher heute nicht da war.