Zerbst l Mitgliedsnummer 466 trug Siegmund Wiprecht von Zerbst. Mit dem Gesellschaftsnamen "der Gemäße" berief ihn Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen in die Fruchtbringende Gesellschaft. Die Gesellschaft, die nach dem Tod des Fürsten ausstarb, wurde 2007 als Neue Fruchtbringende Gesellschaft wiederbelebt. Wie ihre historische Vorgängerin verwendet sie das Palmbaum- emblem als Symbol.

Mit ihren Aktivitäten möchte die Gesellschaft anregen, über die deutsche Sprache nachzudenken, sie selbstbewusst zu gebrauchen und sie zu pflegen. In ihrem Gründungsdokument, der Köthener Erklärung, setzt sie sich das Ziel, "die deutsche Sprache als Amts-, Kultur-, Landes- und Wissenschaftssprache zu erhalten, zu pflegen, zu schützen und weiterzuentwickeln".

Zu den jährlichen Veranstaltungen der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zählt der "Köthener Sprachtag". Zum Jubiläum 800 Jahre Anhalt wird er vom 21. bis 24. Juni 2012 gemeinsam mit der Hochschule Anhalt durchgeführt. "Aus Anlass des Anhalt-Jubiläums findet zum Auftakt des Sprachtags ein sogenanntes Gesprächskonzert unter dem Titel ,Daß Sprach in allem Frucht und Nutzen bring\' auf Erden\' zur Fruchtbringenden Gesellschaft statt, welches das Wirken der Gesellschaft und ihren Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache mit Texten, Bildern und Musik lebhaft darstellt", so die Vorsitzende Prof. Uta Seewald-Heeg.

Beim "Kleinen Volksfest der deutschen Sprache" werden am 22. Juni vor allem Anhalts Schüler angesprochen. Es wird unter anderem einen Sprechsportwettbewerb und verschiedene Sprechwerkstätten geben, zu denen sich bereits jetzt Schulen anmelden können. Umrahmt wird das Programm mit Beiträgen von Studierenden des Studienkollegs der Hochschule Anhalt sowie von Schülerinnen und Schülern der Freien Schule Anhalt, die ein Bühnenstück in anhaltischer Mundart von Herrmann Wäsche zur Aufführung bringen werden.

Der Zerbster Ehrenbürger, Archivrat Hermann Wäschke, am 21. Mai 1850 in Großpaschleben geboren und am 27. November 1926 in Zerbst gestorben, ist der wohl bekannteste Name, wenn es um die anhaltische Mundart geht. Vor allem mit seinen 1900 erschienenen "Paschlewwer Geschichten" und den "Anhältschen Dorfjeschichten" hat er ihr ein literarisches Denkmal gesetzt. Zu denen, die Wäschkes Erbe fortleben lassen, gehört in erster Linie die Köthener Mundartsprecherin Ruth Brandt.

Insgesamt "erfuhren die anhaltische Mundart und deren Pflege nach 1990 wieder größere Aufmerksamkeit und Belebung", so Marcel Michaelis, der eine Bibliographie zur Mundart der Region Anhalt zusammengestellt hat.

"Anhältsch" hier, hochdeutsch da. Das Projekt "Straße der deutschen Sprache" und der jährliche Schreibwettbewerb "Schöne deutsche Sprache" für Schülerinnen und Schüler gehören neben anderen zu den Aktivitäten der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft. Und Anhalt strahlt wieder über sich hinaus aus. Zum Beispiel, wenn es beim Sprachtag 2012 auch um "Die Bedeutung der Nationalsprachen für Europa" gehen wird.

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