Die Volksstimme sucht mit ihren Lesern traditionell zum Jahresende den Magdeburger des Jahres. Zur Wahl stehen Magdeburger, die sich außerordentlich engagieren. Dazu gehört auch der 23-jährige Wirtschaftsstudent Matthias Jacob. Er sprang im Juli dieses Jahres in die Stromelbe und zog einen 47-jährigen Ertrinkenden aus der Mitte des Stroms ans Ufer und rettete ihm so das Leben.

Magdeburg. Inzwischen ist wieder Alltag in das Leben des 23-jährigen Studenten der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Magdeburger Universität eingekehrt. Matthias Jacob arbeitet zurzeit im Praktikum im Volkswagenwerk und ist mit verantwortlich für den Verkauf der Autos am asiatischen Markt.

Im Januar kehrt der junge Mann aus Hankensbüttel bei Gifhorn wieder zurück in den Hörsaal an die Elbe. Der Fluss, mit dem der Student nicht nur die bisher mutigste Tat seines Lebens verbindet, sondern auch die spektakulärste. Selbst die kleine Lokalzeitung in seinem Heimatort in Niedersachsen hat über die ungewöhnliche Rettungsaktion in Magdeburg berichtet. Dabei ist sein couragiertes Handeln am 6. Juli für Matthias Jacob "gar nichts Außergewöhnliches" gewesen, und er würde es freilich immer wieder tun. Er lächelt über die Tatsache hinweg, dass er sich selbst in Lebensgefahr gebracht hat. Auch, als er im Krankenhaus untersucht und er nur mit einem OP-Schwestern-Anzug zu Fuß nach Hause geschickt wurde, blieb ihm sein Lächeln im Gesicht. Später sagt er gegenüber der Pflegedienstleiterin der Uniklinik, die sich peinlich berührt für den Fauxpax entschuldigt hat: "Ist nicht so schlimm." Und, mal wieder mit einem Lächeln im Gesicht, fügt er hinzu, dass der Schwesternanzug noch immer als Andenken in seinem Schrank hängt.

Dabei war seine Rettungsaktion an jenem Dienstag gegen 22.15 Uhr alles andere als ungefährlich, so dass selbst professionelle Retter meinen: Die Strömung zwischen der Sternbrücke und dem Domfelsen ist besonders stark. Auch erfahrene Schwimmer können an dieser Stelle Probleme bekommen.

Doch als der durchtrainierte 1,94-Meter-Mann den 47-jährigen Ertrinkenden in der Flussmitte entdeckte, zog Matthias Jacob seine Schuhe aus und sprang ins Wasser.

"Los, hilf mit, schwimm auf dem Rücken und Arme über Kreuz", befiehlt Jacob dem korpulenten Brückenspringer, der inzwischen völlig erschöpft seinen "Befehlen" folgte. So konnte der Lebensretter, wie er es bei seiner Ausbildung in der Polizeischule gerlernt hatte, das Opfer am Ende unverletzt ans Ufer ziehen.

Nach seinem Abitur im Jahr 2006 wollte der heute 23-Jährige eine Laufbahn bei der Polizei einschlagen und startete bei der Polizeischule in Hamburg seine Ausbildung.

"Diese musste ich leider aus gesundheitlichen Gründen abbrechen und so habe ich mich in Magdeburg in der Uni für das Studium eingeschrieben", erzählt Matthias Jacob später. Die Grundausbildung bei der Polizei ist ihm nun zugutegekommen. Außer einer Unterzuckerung wegen der Anstrengung konnte der Notarzt an jenem Abend keine Verletzungen bei dem Lebensretter feststellen. Auch der gerettete 47-jährige Magdeburger blieb, außer einer Unterkühlung, unverletzt. Der Mann zeigte sich später für seine Rettung dankbar und übergab Matthias Jacob einen Blumenstrauß. Er habe damals eine Dummheit begangen, als er sich das Leben nehmen wollte und ist jetzt froh, dass der Student ihn davor bewahrte.

Das Ende der "verrückten" Nacht hatte nach der Veröffentlichung der Geschichte für heftige Leserreaktionen gesorgt. Denn Matthias Jacob musste damals nach der Untersuchung kurz nach Mitternacht im rosafarbenen OP-Schwesternanzug nach Hause gehen und sollte zudem noch 10 Euro Praxisgebühr zahlen. "Das alles hat sich aber nun erledigt", sagt der Student heute. Die Uniklinik entschuldigte sich, die Praxisgebühr wurde nie erhoben. Das Innenministerium wollte außerdem alle Unkosten im Zusammenhang mit der Rettung tragen, doch Matthias Jacob reichte keine Rechnungen ein. "Meine Sachen habe ich selber gewaschen", meint der Single.

Der Student wird Magdeburg zumindest in den nächsten Jahren treu bleiben, bis er sein Studium beendet. "Was danach kommt, steht natürlich noch in den Sternen", sagt er mit einem strahlenden Lachen.

Für seine Tat erhielt der 23-Jährige am 10. August die Rettungsmedaille des Landes Sachsen-Anhalt.