Aufgespießt

Deutsche beschenken den Staat – freiwillig

Wie mehr als 63000 Euro auf einem Konto des Bundesfinanzministers landeten

Von Axel Ehrlich 09.05.2022, 13:44
Kleinvieh macht auch Mist. Sagt sich der Finanzminister.
Kleinvieh macht auch Mist. Sagt sich der Finanzminister. Foto: dpa

Es klingt ein wenig befremdlich, ist aber dennoch wahr: Vergangenes Jahr haben 263 Deutsche dem Staat Geld geschenkt. Einfach so. Insgesamt 63988,54 Euro.

Klar, so ein Staat braucht immer Geld. Egal, ob für sinnvolle Ausgaben (z.B. Infrastruktur, Kitas) oder fragwürdige (z.B. Sinnlos-Bürokratie, den einen oder anderen Faulpelze in der Verwaltung): Wir alle werden über Steuern und Abgaben herangezogen, uns zu beteiligen.

Dass diese Beteiligung gefühlt und in echt, scheinbar einem geheimen Naturgesetz folgend, stetig steigt, wird mehrheitlich nicht mit Jubel begrüßt. Hier haben wir es vielmehr mit einer oftmals wechselnden Mischung aus zähneknirschender Einsicht und unverhohlener Empörung zu tun. Vor diesem Hintergrund also ist es tatsächlich bemerkenswert, dass Leute freiwillig noch was drauflegen. Dafür gibt es beim Bundesfinanzministerium ein extra Schuldentilgungskonto. Mit dem geschenkten Geld werden also allgemeine Schulden, davon hat der Staat nicht zuletzt durch Pandemie und Ukraine-Krieg reichlich, getilgt.

Um die schräge Geschichte mit dem geschenkten Geld wieder ein bisschen geradezurücken: Es war schon mal mehr. 2018 beispielsweise schenkten die Deutschen ihrem Staat zehn Mal so viel – mehr als 600000 Euro.

Und wenn man die aktuelle Geschenkt-Summe von 63988,54 Euro einfach mal durch die Gesamt-Einwohnerzahl von gerundet 83 Millionen teilt, bleiben pro Nase 0,0008 Euro übrig. Wem die Vorstellung fehlt: Ein Ein-Cent-Stück per Feile komplett in Späne verwandelt, davon eine Fingerspitze voll. So viel haben die Deutschen für ihren Staat dann wohl doch wieder nicht übrig.