Aufgespiesst

Gib’ dem Corona-Virus keine Chance

Im Hauptausschuss der Stadt Stendal weht ein frischer Wind

Von Andreas König
Beim Hauptausschuss im Rathaus in Stendal wurde, wie hier von dieser jungen Dame,  fleißig gelüftet.
Beim Hauptausschuss im Rathaus in Stendal wurde, wie hier von dieser jungen Dame, fleißig gelüftet. Foto: pixabay

Diese Überraschung war gelungen: Offene Rathausfenster bei der Ankunft, größtenteils maskiert sitzende Stadträte sowie Verwaltungsmitarbeiter und das alles in einer geradezu luftig-leichten Atmosphäre trotz schwerwiegender Themen: Im Stendaler Haupt- und Personalausschuss wird penibel auf die Corona-Regeln geachtet.

Kann sein, dass Oberbürgermeister Klaus Schmotz den Infektionsschutz zur Chefsache erklärt hat. Kann sein, dass alle Beteiligten auf dem langen Weg zum Sieg über Corona noch einmal richtig Gas, also Sauerstoff, geben.

Es wäre aber auch durchaus denkbar, dass Beiträge in der Volksstimme, und zwar nicht nur aus dem Ratgeberteil, den Blick der Verantwortlichen geschärft haben für das, was notwendig ist. Doch Genaues weiß man nicht.

Beflissene Verwaltungsmitarbeiter öffnen die Fenster

Jedenfalls klappte(n) im Rathaus sehr viel mehr als die sprichwörtliche Türen. Die Fenster nämlich. Beflissene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung öffneten sie quasi im Halbstundentakt.

Bisweilen gingen die Flügel sogar ohne menschliches Zutun auf. Wer's war? Der Wind, das himmlische Kind. Sturmtief „Eugen“ blies noch einmal mit letzter Kraft um die mittelalterlichen Rathausgiebel.

Als personifiziertes Vorbild trug der Oberbürgermeister nahezu durchgängig seine Maske, so dass er auch vor solchen Aerosolen geschützt war, die vor allem vom – aus seiner Sicht – rechten Flügel hätten zu ihm herüberwehen können.„Wir dürfen nicht so tun, als ob alles in Ordnung ist“, sagte er.

Der Wind und die Akten

Wie so oft, wenn eine Idee sich vieler Menschen bemächtigt, muss man sich fast nicht mehr anstrengen, um sie zu verwirklichen. Der Infektionsschutz verselbstständigte geradezu. Als eine besonders scharfe Böe die Fenster aufspringen ließ, eilte ein interessierter Bürger hinzu, sie zu schließen. Und das war gut so.

Denn machen wir uns nichts vor, frischer Wind ist gut, namentlich in einer öffentlichen Behörde. Aber Aktenstapel und schnell sich bewegende Luftstöße werden in dieser Welt keine Freunde mehr. Daran ändert selbst die Pandemie nichts.