Aufgespießt Unesco-Welterbe? Nein danke!
Bewohner sind genervt von Ehrentitel für ihr Dorf.

Den Einwohnern des Dorfes Vlkolínec reicht es. Wofür sich andere Stätten jahrelang und oft vergeblich bewerben, wollen sie lieber heute als morgen wieder loswerden: die Einstufung als Unesco-Weltkulturerbe. Was auf den ersten Blick verständlich ist – denn kann sich ein aus gerade mal 43 holzvertäfelten Häuschen bestehendes Dorf wirklich mit bayerischen Königsschlössern wie Neuschwanstein messen, die im vergangenen Jahr zum Welterbe erhoben wurden? Oder gar mit den Pyramiden von Gizeh?
Ja, meinten die Kulturhüter der UN – und ließen die etwas armselige Siedlung in den Karpaten schon 1993 in die Menschheits-Topliga aufsteigen. Vlkolínec sei eines der letzten erhaltenen mittelalterlichen Holzdörfer. Doch während bayerische Könige und ägyptische Pharaonen längst tot sind, gibt’s in Vlkolínec noch 35 lebende Einwohner.
Und denen gucken jährlich mehr als 100.000 Touristen durch die Fenster und bitten um Einlass zur Besichtigung. Nun reicht’s den Dörflern – sie wollen das ihnen zu schwer gewordene Welterbe wieder loswerden. Per Antrag an die Unesco.
Ob’s klappt? Unwahrscheinlich. Unesco und slowakische Regierung sind nämlich mächtig stolz auf das Holzdorf. Aber die Beamten müssen darin auch nicht leben...