San Francisco (dpa) - Nach heftigen Unwettern mit mehr als 12.000 Blitzeinschlägen haben Brände im US-Bundesstaat Kalifornien bis Sonntag rund 4000 Quadratkilometer Land verwüstet – eine Fläche etwa 13 Mal so groß wie München.

Die Einsatzkräfte schlugen immer neue Schneisen in die Wälder, um die Ausbreitung der Flammen zu verlangsamen, wie die Feuerwehr mitteilte. Dennoch konnten bisher nur wenige Brände unter Kontrolle gebracht werden.

Zwei der 585 Feuer, die seit dem 15. August ausbrachen, zählen die Behörden zu den größten in der jüngeren Geschichte Kaliforniens. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, 120.000 Bürger wurden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen und sich vor den herannahenden Flammen in Sicherheit zu bringen. Rund 13.700 Feuerwehrleute sind derzeit im Einsatz. TV-Aufnahmen zeigen gewaltige Feuersbrünste, verkohlte Wälder und dichte, schwarze Rauchwolken.

Am Samstag hatte eine leichte, kühle Brise der Feuerwehr geholfen, die Brände zumindest vorübergehend in einigen Gebieten zurückzudrängen, wie die "New York Times" berichtete. Am Sonntag jedoch warnten US-Meteorologen vor neuen Gewittern. Blitzeinschläge und die große Trockenheit, die in Kalifornien zuletzt herrschte, gelten als Ursache der Brände.

Die Feuerwehr geriet in den vergangenen Tagen an ihre Grenzen. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom bat deshalb andere amerikanische Bundesstaaten sowie Kanada und Australien um Personal, Fahrzeuge und Löschflugzeuge. Ein Grund für den Mangel an Feuerwehrleuten: In Kalifornien helfen normalerweise Gefängnisinsassen bei der Bekämpfung der Waldbrände – in den vergangenen Wochen jedoch wurden viele frühzeitig entlassen, weil sich in den Haftanstalten das Coronavirus ausbreitete.  

Präsident Donald Trump erklärte die Brände auf Anfrage Kaliforniens zur schweren Katastrophe, um Gelder der amerikanischen Regierung für Notunterkünfte, Reparaturen und Verluste zur Verfügung zu stellen. Gouverneur Newsom hatte bereits am Dienstag den Notstand für Kalifornien ausgerufen.

Besonders schlimm wüten die Flammen im Osten des Silicon Valley, wo viele amerikanische Tech-Firmen ihren Sitz haben. Dort wuchs der sogenannte SCU Lightning Complex, eine Gruppe von 20 einzelnen Bränden, inzwischen auf fast 1400 Quadratkilometer an und gilt nun als das zweigrößte Feuer, das Kalifornien je erlebt hat. Der LNU Lightning Complex im Napa Valley zerstörte bisher rund 1300 Quadratkilometer Land und gilt als drittgrößtes Feuer in der Geschichte des Bundesstaates.

Die Umweltbehörde EPA fürchtete eine Verschlechterung der schon jetzt extrem niedrigen Luftqualität. Die Experten riefen für manche Gebiete in Kalifornien zeitweise die höchste Warnstufe aus: "Hazardous", auf Deutsch "gefährlich". Ähnlich schmutzig ist die Luft der EPA zufolge nur in wenigen anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in smogbelasteten Industriestädten Indiens und Mexikos.

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