Berlin (dpa) - Die Aussetzung planbarer Operationen und Behandlungen in der Corona-Krise kann laut einer Ärztin "schreckliche Auswirkungen" auf einige Kinder haben.

"Der Schaden durch Dinge, die man übersieht, kann enorm sein", sagte Susanne von der Heydt, Kinderchirurgin an der Charité in Berlin. "Man hätte kurzfristiger von heute auf morgen reagieren können, anstatt alles weit im Voraus abzusagen", sagte von der Heydt. Für die Patienten hätte das einen großen Unterschied gemacht.

Besonders um Kinder, die zu Hause Gewalt und Missbrauch erfahren, sorge sie sich. Von der Heydt ist auch Mitglied der Kinderschutzgruppe der Charité. Die Pflichtuntersuchungen bei Kindern und Babys fielen aktuell oftmals aus, "und es fehlen in der aktuellen Situation freie Kapazitäten bei Gesundheits- und Jugendämtern, dem nachzugehen". Ärzte seien in manchen Fällen bei ganz jungen Kindern der einzige Kontakt nach draußen. Durch aufgeschobene Vorsorgeuntersuchungen könnten zudem Impflücken entstehen. Durch die Schließung von Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen falle zusätzlich der "fürsorgliche und schützende Blick von außen weg".

Weil eine Spezialsprechstunde ausfalle, bekomme sie besorgte Nachrichten von Eltern zum Beispiel wegen wachsender Gefäßtumore an den Körpern ihrer Kinder. "Die sind meist gutartig, metastasieren nicht und sind auch nicht tödlich. Aber sie wachsen eben im ersten Lebensjahr sehr schnell." Je nach dem, wo der Tumor sitzt, könne er aber irreversible Folgeschäden auslösen. Darum sei die regelmäßige Kontrolle wichtig.

Mitte März hatten Bund und Länder Kliniken dazu aufgefordert, planbare Operationen und Aufnahmen auszusetzen. Kürzlich sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Krankenhäuser sollten nun "schrittweise in eine neue Normalität" kommen, in der auch planbare Operationen wieder stattfinden.