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Industrie IWH-Chef: Sachsen-Anhalt ist nicht nur Chemie

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung sieht große Chancen jenseits der klassischen Industrie. Strukturpolitik dürfe den Wandel nicht durch das Festhalten am Bestehenden ausbremsen.

Von dpa 02.03.2026, 11:34
IWH-Präsident Reint Gropp wirbt in Halle dafür den Strukturwandel nicht allein über den Erhalt bestehender Industrien zu steuern.
IWH-Präsident Reint Gropp wirbt in Halle dafür den Strukturwandel nicht allein über den Erhalt bestehender Industrien zu steuern. Hendrik Schmidt/dpa

Halle - Sachsen-Anhalt darf nach Einschätzung von IWH-Präsident Reint Gropp wirtschaftlich nicht auf die Chemieindustrie verengt werden. „Ich denke schon, dass es ganz wichtig ist, bei Sachsen-Anhalt eben nicht nur an Chemie zu denken“, sagte Gropp auf der regionalpolitischen Jahrestagung des Bundeswirtschaftsministeriums in Halle. Es gäbe auch sehr viele andere Themen und Bereiche wie etwa die Medizintechnik oder Verfahrenstechnik, die berücksichtigt werden müssten.

Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des Landesverbands Nordost im Verband der Chemischen Industrie (VCI) nannte die Chemie zugleich „das Rückgrat der regionalen Wirtschaft“. 

Energie bleibt Herausforderung

Gropp nannte die Energiefrage für die energieintensiven Branchen zentral. Es sei jedoch unrealistisch, dauerhaft mit deutlich sinkenden Energiekosten zu rechnen. „Am Ende ist dann eben für die Chemieindustrie, zumindest für den sehr energieintensiven Teil, alternativlos, Verfahren zu entwickeln, die weniger energieintensiv sind“, so der Ökonom. 

Gropp verwies zugleich auf Standortvorteile des Landes bei den erneuerbaren Energien. Sachsen-Anhalt produziere mehr Ökostrom, als es selbst verbrauche - das sei „natürlich eine Chance“ und müsse stärker den Unternehmen und Haushalten vor Ort zugutekommen. Das jüngst beschlossenes Landesgesetz, von dem Kommunen mit vielen Wind- und Solarparks profitieren sollen, gehe in die richtige Richtung. 

Wandel zulassen statt Altes subventionieren

Mit Blick auf die Strukturpolitik warnte Gropp vor einem zu starken Festhalten an bestehenden Strukturen. „Immer dann, wenn wir mit sehr viel Steuergeldern Altes erhalten, verhindern wir ein Stück weit, dass Neues entstehen kann.“ Strukturwandel bedeute auch, Veränderungen zuzulassen - selbst wenn dadurch einzelne Branchen kleiner würden. 

Der Staat solle sich stärker auf grundlegende Reformen konzentrieren, etwa beim Bürokratieabbau oder bei den sozialen Sicherungssystemen, statt vor allem Subventionen zu verteilen. „Es ist sehr viel leichter für den Staat, Geld zu verteilen, als fundamentale Reformen durchzuführen“, sagte Gropp. 

Entscheidend sei Vertrauen in die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Diese könnten auch unter veränderten Rahmenbedingungen neue Geschäftsmodelle entwickeln und so zum Entstehen neuer industrieller Kerne beitragen.