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Organisierte Kriminalität Lagebild: Millionenschaden durch kriminelle Banden in Berlin

6,9 Millionen Euro Schaden, Drogenhandel über das Internet und Autos, die von Banden bis nach Asien verschoben werden: Das Lagebild der organisierten Kriminalität zeigt die Geschäftszweige und Täter.

Von dpa 10.02.2026, 12:31
Rauschgifthandel und Autodiebstahl sind wichtige Handlungsfelder der organisierten Kriminalität in Berlin. (Archivbild)
Rauschgifthandel und Autodiebstahl sind wichtige Handlungsfelder der organisierten Kriminalität in Berlin. (Archivbild) Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Berlin - Im Bereich der organisierten Kriminalität (OK) hat die Berliner Polizei 2024 einen verursachten Schaden von 6,9 Millionen Euro festgestellt. Das war das Ergebnis aus 55 großen Ermittlungsverfahren mit 371 bekannten Verdächtigen, wie aus dem veröffentlichten OK-Lagebild 2024 hervorgeht. 

Polizei und Staatsanwaltschaften beschlagnahmten demnach Vermögenswerte in Höhe von 2,9 Millionen. Das Lagebild zeigt allerdings nur die bei der Polizei bekanntgewordenen Taten und Schadenssummen - das Dunkelfeld der nicht entdeckten Kriminalität ist sehr groß.

Bei 20 der 55 Ermittlungskomplexe ging es um Rauschgifthandel und -schmuggel. Wichtige Rollen spielten außerdem Auto-Diebstähle und Einbrüche sowie Schleuserkriminalität. In weiteren Fällen ging es um Bewaffnungen und Waffenhandel. 40 Ermittlungen wurden durch die Berliner Polizei Berlin geführt, 9 durch den Zoll und jeweils 3 durch das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundespolizei. 

Nur vier Flächenstaaten mit mehr Ermittlungen

Berlin steht mit 55 OK-Komplexen bei insgesamt 647 in Deutschland geführten
Verfahren an fünfter Stelle nach den Flächenstaaten Nordrhein-Westfalen,
Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg.

In der Polizeistatistik wird organisierte Kriminalität als die planmäßige Begehung von Straftaten definiert, bei denen mindestens drei Beteiligte auf längere Zeit gewerbliche oder geschäftsähnliche Strukturen verwenden. Dazu kommen entweder Gewaltanwendung oder Einflussnahme auf Politik oder Wirtschaft. 

Ein großer Teil der allgemeinen Kriminalität fällt daher nicht unter die OK-Definition, weil es keine festen Strukturen gibt und die Beteiligten wechseln. Bei der Polizei wird vieles dann als „Schwere strukturelle Kriminalität (SsK)“ definiert.

In den Berliner OK-Ermittlungen waren mehrheitlich Verdächtige mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit bekannt. Von 371 hatten 120 (32 Prozent) eine deutsche Staatsangehörigkeit. 60 Verdächtige waren Polen (16 Prozent), 29 Verdächtige (8 Prozent) hatten eine türkische Nationalität. Zudem wurden Libanesen, Georgier, Ukrainer, Syrer, Russen sowie Menschen aus den Balkanstaaten registriert. Bei 25 Verdächtigen war die Staatsangehörigkeit ungeklärt. 

Handel ins Internet verlagert

Der Rauschgifthandel wird laut Polizei durch kriminelle Strukturen aus verschiedenen Herkunftsländern und Ethnien bestimmt. Am meisten würden die klassischen Drogenarten wie Cannabis, Kokain und Amphetamin verkauft. Ein großer Teil des Handels habe sich ins Internet, also in den Bereich sozialer Medien und Messengerdienste verlagert. 

In einigen Bereichen der OK arbeiteten vor allem Täter mit ähnlicher Herkunft zusammen. Bei der „Russisch-Eurasischen OK“ liege der Schwerpunkt auf Verdächtigen aus der Region Nordkaukasus, wozu auch Tschetschenien gehört. Der Russland-Ukraine-Krieg habe „die Zusammenarbeit zwischen den kriminellen Netzwerken weder unterbrochen noch zum Erliegen gebracht“, heißt es im Lagebild.

Unter „Clankriminalität“ werden arabischstämmige Beteiligte mit kurdischem,
libanesischem oder palästinensischem Hintergrund geführt, wie es heißt. 

Kriminelle zerlegen Autos in Einzelteile

Die „internationale Kfz-Verschiebung“ geschieht durch „kriminelle Strukturen aus Osteuropa“. Im Lagebild wird erläutert: „Nach Einschätzung der polnischen Polizei wird der weitaus überwiegende Teil entwendeter Kfz zerlegt und in Einzelteilen unter anderem über Internet-Verkaufsplattformen weiterveräußert.“ Die Fahrzeuge und -teile werden auch nach Russland, Belarus, Tadschikistan, Afrika und in den vorderasiatischen Raum verschoben.

In der Schleusungskriminalität gibt es einen Schwerpunkt mit Verdächtigen aus Südostasien, also etwa Vietnam. Der „Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung“ und Ausbeutung der Arbeitskraft, hat vor allem Verdächtige aus Südosteuropa, also Rumänien, Bulgarien oder Albanien.