Bände im Mittelmeerraum

Leichte Besserung in Waldbrandgebieten

Seit Tagen kämpfen Einsatzkräfte am Mittelmeer gegen verheerende Feuer. Wenigstens in einigen Regionen deutet sich Besserung an.

Von dpa 12.08.2021, 16:22 • Aktualisiert: 12.08.2021, 16:25
Feuer im Nationalpark Aspromonte in Kalabrien.
Feuer im Nationalpark Aspromonte in Kalabrien. -/Parco Nazionale Aspromonte/dpa

Rom/Istanbul/Athen - Im Mittelmeerraum schöpfen Griechenland und die Türkei Hoffnung auf eine Besserung der Waldbrandlage, während Italien weiter im Dauereinsatz versucht, die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

In der süditalienischen Region Kalabrien ist die Zahl der Waldbrände gesunken. Es gebe noch knapp 60 aktive Feuer, erklärte Regionalpräsident Nino Spirlì in Catanzaro. Das seien zwar weniger als noch am Mittwoch, aber die Situation bleibe ernst.

Mittlerweile kämpften 70 Lösch-Einheiten gegen die Flammen. Die Brände konzentrieren sich weiter um den Aspromonte Nationalpark. Er ist wegen seiner einzigartigen Landschaft unter den Geoparks der UN-Kulturbehörde Unesco gelistet.

Aus der Region wurden am Mittwoch laut Medienberichten zwei weitere Todesopfer im Zusammenhang mit den Bränden gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl seit Ende der vergangenen Woche auf vier. Spirlì machte Brandstifter für viele Brände verantwortlich. Aus der Spitzenpolitik wurden zuletzt die Rufe nach härteren Strafen für Brandstiftung lauter.

In Italien kämpft die Feuerwehr außerdem in anderen Regionen des Südens sowie auf den großen Inseln Sizilien und Sardinien weiter gegen die Flammen. Wälder, Felder, Tiere und Häuser fielen den ihnen bereits zum Opfer.

48,8 Grad auf Sizilien

Unterdessen meldete die Feuerwehr, dass die Lage auf Sizilien unter Kontrolle sei. Über der Insel wabert seit Tagen eine extreme Hitzewelle. Am Mittwoch registrierte eine Messstation in der Provinz um die Stadt Syrakus 48,8 Grad Celsius. Der Wert würde den bisherigen europäischen Temperaturrekord von 48 Grad aus Athen im Jahr 1977 übertreffen, allerdings müsste er dafür offiziell bestätigt werden.

Das Wetter dürfte den Rettern auch in den kommenden Tagen nicht in die Karten spielen. Für Donnerstag und Freitag erwarteten die Meteorologen wieder extreme Temperaturen in einigen Landesteilen. Der Zivilschutz stufte die Waldbrandgefahr auf den großen Inseln Sizilien und Sardinien in weiten Teilen wegen der anhaltenden Trockenheit und teils kräftiger Winde weiter als sehr hoch ein.

Griechenland

In Griechenland konnten die von Waldbränden betroffenen Menschen dagegen wieder etwas aufatmen. Regenfälle in der Nacht zum Donnerstag halfen bedeutend beim Kampf gegen die Brände. Sowohl auf der zweitgrößten Insel Euböa als auch auf der Halbinsel Peloponnes erloschen nach übereinstimmenden Berichten von Reportern vor Ort viele Feuer.

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis sagte am Donnerstagmittag, aktuell seien alle Brände unter Kontrolle. Er warnte jedoch, dass die Gefahr damit längst nicht vorbei sei. Die Feuerwehr warnte ebenfalls. In vielen Fällen brenne es noch im Unterholz und neue Brände könnten ausbrechen. Zudem wehten landesweit starke Winde. Alle Feuerwehreinheiten aus mehr als 20 Nationen blieben in höchster Alarmbereitschaft.

In vielen Fällen empfingen Autofahrer die ersten Regentropfen mit Hupkonzerten, wie der Nachrichtensender Skai berichtete. Dürre gilt als Hauptgrund für die verheerenden Brände, bei denen Schätzungen zufolge mehr als 90.000 Hektar Wald und landwirtschaftlich genutztes Land sowie Tausende Häuser zerstört wurden. Unzählige Tiere starben.

Türkei

In der Türkei besserte sich die Lage dagegen etwas. Die Feuerwehr brachte in der südwesttürkischen Provinz Mugla zwei Wochen nach seinem Ausbruch einen Großbrand unter Kontrolle. Sie seien dabei, das Gebiet im Bezirk Köycegiz abzukühlen, schrieb Forstminister Bekir Pakdemirli in der Nacht zu Donnerstag auf Twitter. Zuletzt hatten starke Winde die Löscharbeiten in der Region behindert.

Seit Ende Juli waren in der Türkei mehr als 200 Feuer ausgebrochen, darunter 16 große Waldbrände. Mehr als die Hälfte der 81 Provinzen waren betroffen. Inzwischen wurden die meisten Brände unter Kontrolle gebracht. Besonders in den Küstenprovinzen Antalya und Mugla hat das Feuer große Zerstörung angerichtet. Acht Menschen kamen ums Leben.

Im Norden der Türkei kämpfen Einsatzkräfte unterdessen gegen Überschwemmungen. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad kamen am Schwarzen Meer fünf Menschen in den Fluten ums Leben, eine weitere Person wurde verletzt. Mehr als 600 Menschen wurden demnach aus verschiedenen Regionen in Sicherheit gebracht.

Feuer-Kulisse: In der Nähe von Palermo steht eine Bergkette in Flammen.
Feuer-Kulisse: In der Nähe von Palermo steht eine Bergkette in Flammen.
---/Italian Firefighters/AP/dpa
Einsatzkräfte der italienischen Feuerwehr kämpfen aus der Luft und am Boden gegen die Brände.
Einsatzkräfte der italienischen Feuerwehr kämpfen aus der Luft und am Boden gegen die Brände.
Vigili del Fuoco/dpa
Der ersehnte Regen - Blick durch das Fenster eines Autos.
Der ersehnte Regen - Blick durch das Fenster eines Autos.
Petros Karadjias/AP/dpa
Die Insel Euböa wurde besonders hart von den Feuern heimgesucht. Insgesamt fielen in Griechenland bislang 90.000 Hektar den Flammen zum Opfer.
Die Insel Euböa wurde besonders hart von den Feuern heimgesucht. Insgesamt fielen in Griechenland bislang 90.000 Hektar den Flammen zum Opfer.
Petros Karadjias/AP/dpa
Ein niedergebrannter Wald auf der Insel Euböa.
Ein niedergebrannter Wald auf der Insel Euböa.
Michael Varaklas/AP/dpa
Blick in ein verbranntes Haus im griechischen Dorf Pefki.
Blick in ein verbranntes Haus im griechischen Dorf Pefki.
Petros Karadjias/AP/dpa
Ein Hubschrauber wirft Wasser über einem Feuer im Dorf Galatsonas auf der griechischen Insel Euböa ab.
Ein Hubschrauber wirft Wasser über einem Feuer im Dorf Galatsonas auf der griechischen Insel Euböa ab.
Lefteris Pitarakis/AP/dpa
Fassungslosigkeit, Verzweiflung und Entsetzen.
Fassungslosigkeit, Verzweiflung und Entsetzen.
Fateh Guidoum/AP/dpa
Überschwemmungen und Schlammlawinen in der türkischen Provinz Kastamonu.
Überschwemmungen und Schlammlawinen in der türkischen Provinz Kastamonu.
---/IHA/AP/dpa