Tödlicher Angriff im Zug Mehr als 3.000 Angriffe – Bahn setzt auf Bodycams und Teams
Mehr als 3.000 Angriffe im Jahr – trotz Bodycams und Sicherheitsteams bleibt das Risiko für Bahnmitarbeiter hoch. Was Bahn und Polizei für die Sicherheit tun.

Zweibrücken - Wie ist es um die Sicherheit in Zügen und auf den Bahnhöfen bestellt? Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter nahe Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz wird die Frage diskutiert, ob und wie die Sicherheit verbessert werden kann. Hier wichtige Fragen und Antworten zu dem Thema:
Nehmen Übergriffe auf Bahnbedienstete zu?
Eindeutig ja, sagt die Deutsche Bahn. Seit Jahren steige die Zahl der Vorfälle, die Hemmschwelle sinke kontinuierlich. Es komme immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen gegen Mitarbeitende etwa bei Fahrkartenkontrollen, am Rande von Volksfesten, Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen.
2025 gab es dem Unternehmen zufolge mehr als 3.000 Angriffe, entsprechend ungefähr acht pro Tag. Die Hälfte der Attacken richtet sich laut Bahn gegen Beschäftigte im Regionalverkehr, Sicherheitskräfte seien in gut einem Drittel der Fälle betroffen. Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte an Bahnhöfen würden angegangen.
Wer ist für die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen zuständig?
Die Deutsche Bahn hat eigene Sicherheitsteams im Einsatz, von staatlicher Seite ist die Bundespolizei zuständig. Dabei geht es nach Zahlen der Bundespolizei deutschlandweit um rund 5.700 Bahnhöfe und 33.500 Streckenkilometer. In Notfällen greift aber auch die Landespolizei ein.
Was wird für die Sicherheit getan?
Die Deutsche Bahn setzt neben Sicherheitspersonal und Präventionskampagnen unter anderem auf großflächige Videoüberwachung in Zügen und auf Bahnhöfen. Derzeit gibt es demnach rund 11.000 Kameras an Bahnhöfen, ungefähr 57.000 Kameras gebe es in fast drei Viertel aller Nahverkehrs- und S-Bahn-Züge.
Wie werden Bahnmitarbeiter geschützt?
Die Deutsche Bahn verweist auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen für Mitarbeiter mit Kundenkontakt, wie es heißt. Dazu zählen beispielsweise Deeskalationstrainings in Fortbildungen. Die Sicherheitskräfte werden speziell darin geschult, Angriffe abzuwehren. Alle Mitarbeiter sollen Vorfälle über eine App auf ihren Smartphones melden. Einen hundertprozentigen Schutz gebe es aber angesichts einer derart hemmungslosen Gewalt nicht, betont die Bahn.
Die Bahn rüstet außerdem immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Bodycams aus, wenn sie das wünschen, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte. Bodycams sind kleine am Körper getragene Kameras. Derzeit gibt es einem Bahn-Sprecher zufolge bundesweit rund 1.400 Bodycams für Zugbegleiter bei DB Regio. Das Tragen der Kameras sei freiwillig, vorab gebe es eine Schulung. Hinzu kommen demnach Bodycams bei Bediensteten der DB Sicherheit.
Helfen Bodycams gegen Übergriffe?
Die kleinen Kameras am Körper laufen in der Regel nicht dauerhaft, sondern werden dann eingeschaltet, wenn eine Situation zu eskalieren droht. Die Deutsche Bahn hat nach eigener Aussage gute Erfahrungen damit gemacht, weil sich Konflikte schnell beruhigen ließen, wenn die Kamera gesehen werde. Auch die Polizei setzt zunehmend auf Bodycams und berichtet auch von positiven Erfahrungen damit, weil sie Täter von einer direkten Konfrontation abschreckten.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG fordert, noch mehr Beschäftigte mit Bodycams auszustatten sowie eine Doppelbesetzung in Regionalzügen - damit nicht ein Mitarbeiter allein im Zug unterwegs sein muss.
Welche Unterstützung bekommen Beschäftigte, die attackiert wurden?
Bahn-Beschäftige, die von Übergriffen betroffen sind, können sich nach Angaben des Unternehmens kostenlos an ein Team mit rund 60 Psychologen sowie Sozialberatern wenden.
Braucht es auch härtere Strafen?
Der Deutsche Richterbund hält die Diskussion um Gesetzesverschärfungen nicht für zielführend. „Der bekannte Reflex in der Politik, das Strafrecht verschärfen zu wollen, ist nachvollziehbar, aber nicht die richtige Antwort. Für Tötungsdelikte sieht das Strafrecht schon heute schwerste Strafen vor“, sagte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Unter anderem Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach der Tat erklärt, der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter von Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn müsse deutlich verschärft und der Strafrahmen ausgeweitet werden.
Wie ist der Stand der Ermittlungen im Fall von Serkan C.?
Sie laufen auf Hochtouren. Die Polizei wertet Spuren und Videos aus dem Zug aus. Außerdem werden Zeugen befragt, wie die Leitende Oberstaatsanwältin Iris Weingardt in Zweibrücken sagte. Zudem seien weitere rechtsmedizinische und kriminaltechnische Untersuchungen beauftragt worden.
Der Haftbefehl gegen den 26-Jährigen, der zunächst auf versuchten Totschlag lautete, soll nach dem Tod des Bahnmitarbeiters auf Totschlag geändert werden. Er soll den Zugbegleiter mit Faustschlägen so schwer verletzt haben, dass er später im Krankenhaus starb.