US-Präsident ein Jahr im Amt Niedecken über USA unter Trump: „Widersprüchlich wie selten“
Der Musiker warnt davor, die aktuelle US-Politik mit Amerika insgesamt gleichzusetzen. Um die bilateralen Beziehungen sorgt er sich jedoch.

Köln - BAP-Musiker Wolfgang Niedecken („Verdamp lang her“) sieht das deutsch-amerikanische Verhältnis in einer schweren Belastungsprobe. Ein Jahr nach Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump (20. Januar) seien die bilateralen Beziehungen von großer Verunsicherung geprägt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Das Verhältnis ist widersprüchlich wie selten zuvor – und seine Zukunft offener denn je.“
Gleichzeitig warnte der 74-Jährige davor, die aktuelle US-Politik mit Amerika insgesamt gleichzusetzen. Bei ihm persönlich stünden auf der einen Seite kulturelle Prägung, Musik und Kunst, auf der anderen Seite Erfahrungen mit dem Vietnamkrieg und Interventionen wie zuletzt in Venezuela, die an Chile (1973) und Nicaragua (1982) erinnern. „Mein Bild der Vereinigten Staaten ist seit jeher eher ambivalent“, betonte Niedecken, der sich immer wieder gesellschaftspolitisch engagiert - ob auf der Bühne etwa mit einem großen Konzert in Köln gegen Fremdenfeindlichkeit („Arsch huh“) oder in Interviews.
Ein Lied als historisches Dankeschön
Unverrückbar bleibe für ihn die Dankbarkeit gegenüber den USA, was den Zweiten Weltkrieg betreffe, sagte er. Die Rolle amerikanischer Soldaten bei der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus dürfe nicht relativiert werden. „Unser Song "Amerika" ist ein großes Dankeschön in Liedform.“
Niedecken reiste zuletzt für eine TV-Dokumentation auf den Spuren von Bob Dylan kreuz und quer durch die USA. Für den Musiker ist 2026 ein besonderes Jahr, weil er 75 und seine Band 50 Jahre alt wird. Zum Jubiläum tourt BAP ab November durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.