Fußball

Sechs Punkte und Ekkelenkamp: Hertha-Team bleibt Baustelle

Trainer Dardai spendiert seinen Spielern nach dem zweiten Sieg nacheinander zwei freie Tage. Hertha hat sich nach dem Liga-Fehlstart aufgerappelt. Doch die Herausforderungen bleiben groß: Unter Pflichtspiel-Druck muss der Aufbau eines neuen Team-Gerüsts gelingen.

Von Jens Mende, dpa 19.09.2021, 11:48 • Aktualisiert: 20.09.2021, 22:59
Jurgen Ekkelenkamp verabschiedet sich nach dem Spiel von den Fans in der Ostkurve.
Jurgen Ekkelenkamp verabschiedet sich nach dem Spiel von den Fans in der Ostkurve. Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Berlin - Die Hertha-Profis um den Blitz-Torschützen Jurgen Ekkelenkamp dürfen noch bis Dienstag die Seele baumeln lassen, Coach Pal Dardai aber arbeitet weiter an der Grundkonstruktion seines Teams. „Es ist eine neue Vorbereitungsphase mit Pflichtspielen“, erklärte der Trainer des Berliner Fußball-Erstligisten. Denn trotz der jüngsten sechs Punkte gegen die beiden Aufsteiger Bochum und Fürth: Hertha im Herbst 2021 ist noch immer eine Baustelle.

„Sieben Spieler weg und sieben kommen, das sind 14 Charaktere. 14 ist eine Mannschaft. Das dauert“, betonte Dardai: „Diese Transferperiode ist für mich auch neu. Ich bin auch in der Lernphase.“ In den vorherigen Spielzeiten als Cheftrainer habe er immer sechs, acht Wochen Zeit gehabt, den Team-Umbau zu gestalten. „Wir sind immer sehr gut gestartet“. Jetzt muss ihm das nach den vielen Last-Minute-Transfer unter Pflichtspiel-Druck gelingen. „So einen Start habe ich noch nicht erlebt.“ Deshalb sei er sehr froh, „von sechs Spielen, davon vier auswärts, drei gewonnen zu haben“.

Dass die Siege „nur“ im Pokal gegen den Drittligisten Meppen und in der Liga gegen die Aufsteiger Bochum und Greuther Fürth gelangen, lässt der Trainer nicht als Argument zu: „Du arbeitest unter Druck. Pflichtspiel - alles zählt.“ Dennoch: Der nächste Gegner RB Leipzig ist auf jeden Fall ein anderes Kaliber.

Es wird noch eine Weile brauchen, bis Dardai aus den neuen, den zurückgekehrten und den schon länger für Hertha spielenden Profis eine optimale Einheit geformt hat. Wie lange so eine Phase dauert, könne er nicht abschätzen, bemerkte der Ungar. Erschwerend kommt noch die lange Ausfallliste hinzu. Abwehrchef Dedryck Boyata und Offensiv-Neuzugang Myziane Maolida zogen sich gegen Fürth Oberschenkel-Verletzungen zu und müssen längere Zeit pausieren.

Die Auswechslung von Marvin Plattenhardt, der nach einer Verletzung erst wieder drei Tage mit dem Team trainiert hatte, sei eine „Vorsichtsmaßnahme“ gewesen, erklärte der Trainer.

Verteidiger Lukas Klünter (Schulter-Operation) und Jordan Torunarigha (Oberschenkelverletzung) fallen ohnehin schon länger aus. Stürmer Stevan Jovetic hat nach seiner Wadenblessur noch nicht wieder mit der Mannschaft trainiert. „Aber wir haben einen guten Kader und werden 18 Feldspieler zusammenkratzen“, sagte Dardai mit Blick auf Samstag.

Die Hoffnungsträger für Leipzig heißen vor allem Ekkelenkamp und Krzysztof Piatek. Dem 21 Jahre alten Niederländer Ekkelenkamp, der gegen Fürth bei seinem Hertha-Debüt nach der Einwechslung mit einem Blitztreffer und einer Torbeteiligung überzeugte, wollte Dardai zwar (noch) keine Startelf-Garantie aussprechen. Doch der Trainer ist schon jetzt vom Offensivspieler überzeugt, der von Ajax Amsterdam gekommen ist. „Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie er bei uns gelandet ist bei den Fähigkeiten“, bemerkte Dardai mit einem Schmunzeln.

Der seit Mai wegen eines Knöchelbruches fehlende Piatek könnte in Leipzig erstmals wieder zu einem Kurzeinsatz kommen. „Wir können ihn langsam mitnehmen als Joker“, berichtete Dardai. „Er hat die meisten Tore bei Hertha BSC als Joker gemacht. Warum soll es nicht so sein, dass er in Leipzig reinkommt und ein Jokertor macht.“