Gesellschaft

Studie: Bevölkerungsschwund im Osten gebremst

Von dpa 06.10.2021, 13:12 • Aktualisiert: 07.10.2021, 22:53

Berlin - Der dramatische Bevölkerungsschwund nach der Wende in Ostdeutschland hat sich einer Studie zufolge verlangsamt. Geholfen hätten kreative Ideen vor Ort und zuletzt auch die „neue Landlust“, hieß es am Donnerstag bei der Vorstellung des Papiers des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. „Eine Umkehr der demografischen Entwicklung ist aber nicht in Sicht“, schreiben die Autorinnen.

Die Studie „Von Umbrüchen und Aufbrüchen“ untersucht die demografische Entwicklung im Osten, deren Folgen und die Gegenmaßnahmen einzelner Kommunen. Unter dem Strich haben die ostdeutschen Flächenländer ohne Berlin zwischen 1990 und 2020 demnach 2,3 Millionen ihrer damals 14,8 Millionen Einwohner verloren, während die westdeutschen Länder 5,4 Millionen Menschen hinzugewannen.

Die Studie untersucht zwölf Gemeinden mit sehr unterschiedlicher Entwicklung. So hat die Stadt Weißwasser in der sächsischen Oberlausitz seit 1990 mehr als 55 Prozent ihrer Einwohner verloren und liegt nun noch bei knapp 16 000. Die 60 Kilometer entfernte Gemeinde Nebelschütz im Landkreis Bautzen schaffte es hingegen, die Bevölkerungszahl um 5,5 Prozent zu steigern.

Gelungen sei dies mit einer Ausrichtung der ganzen Gemeinde auf „Enkeltauglichkeit“, berichtete Bürgermeister Thomas Zschornak. Unter anderem seien die Kinder bei der Gestaltung der Kita nach ihren Wünschen gefragt worden. Die Gemeinde kümmerte sich aber auch darum, dass sich ein Hofladen ansiedelte, dass ein alter Steinbruch als Biotop und Künstlerwerkstatt erhalten blieb und sich drei junge Gründer sich mit einem Startup im Ort niederließen. „Wir können uns nicht mehr retten vor Nachfragen“, sagte Zschornak.

Ungewöhnliche Ideen, langfristige Strategien und Vernetzung könnten also helfen, sagte die geschäftsführende Direktorin des Berlin-Instituts, Catherina Hinz. Auch das wachsende Interesse, aus Berlin weg aufs Land zu ziehen, sei eine Chance - vorausgesetzt, Gemeinden hätten einen guten Internetanschluss.

Dennoch stellt die Studie fest, dass die meisten Landkreise wohl weiter Einwohner verlieren. Das liege weniger am Wegzug als an den hohen Sterbezahlen, sagte Autorin Susanne Dähner. Das Durchschnittsalter in besonders abgelegenen ostdeutschen Gemeinden liege bei 50 Jahren und damit fünfeinhalb Jahre höher als in Westdeutschland, heißt es in der Studie.