Wohnungsmangel Studie: In Berlin fehlen zehntausende Wohnungen
Wer eine Wohnung in Berlin sucht, muss nicht nur zahlungskräftig sein, sondern braucht auch sehr viel Geduld. Wie viele Neubauten es bräuchte, um den Bedarf zu decken, hat eine Studie berechnet.

Berlin - In Berlin fehlten laut einer Studie bereits Ende 2024 rund 56.000 Wohnungen. Gleichzeitig steigt der Bedarf in den kommenden Jahren weiter an, wie die Analyse des Pestel-Instituts zeigt.
Um den Mangel bis 2030 abzubauen, müssten jährlich rund 16.300 neue Wohnungen gebaut werden, so die Studienautoren. In diesem Szenario wird allerdings von einem sehr hohen Anteil an Einpersonenhaushalten ausgegangen. Sinkt diese Zahl von Einpersonenhaushalten auf ein Minimum, läge der Bedarf bis 2030 bei rund 15.500 zusätzlichen Wohnungen pro Jahr.
Studienautoren fordern deutlich mehr Sozialwohnungen
Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds, der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau und anderer Organisationen. Am stärksten unter der Entwicklung leiden demnach die junge Generation bis 25 und ältere Menschen. Die Jüngeren sind laut Studie auf dem Wohnungsmarkt zur „benachteiligten Gruppe“ geworden. Und viele ältere Großstadtbewohner könnten sich nach dem Ende des Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten und müssten fortziehen.
In Berlin braucht es der Studie zufolge vor allem bei Sozialwohnungen einen deutlichen Sprung nach oben. 2024 waren demnach nur rund 92 von 1.000 Wohnungen Sozialwohnungen. Die Studienautoren fordern bis 2035 je 144 pro 1.000.
Berlin hat eine der höchsten Kaltmieten
Deutschlandweit gehört Berlin zu den Bundesländern mit den höchsten Kaltmieten. 2022 waren es laut Studie im Schnitt 8 Euro pro Quadratmeter - das war mehr als der Bundesdurchschnitt von 7,4 Euro. Mehr als in Berlin zahlte man nur in Hamburg (9,3 Euro), Bayern (8,7 Euro) und Baden-Württemberg (8,2 Euro).
„Wir haben natürlich in Berlin ein extremes Problem“, sagte Pestel-Chefökonom Matthias Günther bei der Vorstellung der Ergebnisse. In den vergangenen 15 Jahren habe Berlin eine positive Wirkung entfaltet und zahlreiche Menschen zum Arbeiten in die Hauptstadt gelockt - „natürlich mit der Konsequenz, dass die Wohnraumkosten in Berlin explodiert sind.“ Das strahle bis nach Brandenburg aus.
Kritik: Wirtschaftlich schade die Hauptstadt sich selbst
Probleme, die es in München schon vor 20 Jahren gegeben habe, bauten sich nun zunehmend in Berlin auf. Er sehe die Gefahr, dass Berlin sich mit den hohen Mietkosten wirtschaftlich selbst schade: Neue Arbeitskräfte könnten sich den Zuzug kaum noch leisten.
Deutschlandweit erreichte der Wohnungsmangel nach Angaben des Pestel-Instituts einen Rekordstand von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen.