Hirntod einer Radfahrerin

Keine Schuld? Letzte Generation sieht sich zu Unrecht kritisiert - und greift die Medien an

Nach dem Hirntod einer Berliner Radfahrerin weisen Aktivisten der "Letzten Generation" jede Schuld von sich - und greifen die kritische Berichterstattung in den Medien an.

Aktualisiert: 04.11.2022, 10:39
Aktivisten der Letzten Generation sehen offenbar keine Schuld an dem Vorfall mit einer Radfahrerin in Berlin. Aber sie haben einen anscheinend einen neuen Gegner ausgemacht: die kritische Berichterstattung durch Journalisten. Symbolbild:
Aktivisten der Letzten Generation sehen offenbar keine Schuld an dem Vorfall mit einer Radfahrerin in Berlin. Aber sie haben einen anscheinend einen neuen Gegner ausgemacht: die kritische Berichterstattung durch Journalisten. Symbolbild: dpa

Magdeburg (vs) - Nach dem Hirntod einer Radfahrerin in Berlin, zu deren Hilfe ein Rettungswagen zu spät ankam, weil Aktivisten der "Letzten Generation" eine Zufahrt erheblich einschränkten, sehen die Beteiligten der Bewegung keine Eigenschuld an dem Vorfall. Und gehen offenbar zum Angriff auf Journalisten über, die sich kritisch über das Verhalten der Aktivisten geäußert haben. Dies geht aus einer Mitteilung der Organisation hervor.

"Dass ein ganzes Mediensystem sich gegen uns wenden würde, damit haben wir nicht gerechnet", so Sprecherin Carla Hinrichs. Sie glaubt an "eine Welle der Vorwürfe, Unwahrheiten und Hetze" durch private und öffentlich-rechtliche Medien, die über die Aktivisten hineinbreche. "Vorher wurde uns neutrale, faktenbasierte Berichterstattung als journalistisches Grundprinzip verkauft. Heute lesen, sehen und hören wir in kaum einem einzigen Medium Berichterstattung nach diesem Prinzip", glaubt Hinrichs.

Zwar sei der Vorfall mit der Radfahrerin "furchtbar". Man sei "bestürzt und in Trauer." Allerdings wolle man dies jetzt hinter sich lassen: "Es an der Zeit, eine Grenze zu ziehen. Wir hatten die Polizei vor Betreten der Schilderbrücke informiert und um eine Umleitung von Einsatzfahrzeugen und das komplette Sperren der A100 für den Autoverkehr gebeten. Wir haben in all unseren Protesten immer eine Rettungsgasse."

Die mediale Öffentlichkeit "instrumentalisiere den Unfall der Radfahrerin", heißt es weiter. "Das können wir nicht fassen.
Als sei endlich ein Aufhänger gefunden, unseren friedlichen Protest durch den Dreck zu ziehen." Der Vorfall werde fiktiv aufgebauscht und friedlicher Protest delegitimiert. Private Medien würden gegen die Aktivisten gegen Gewalt aufrufen und öffentlich-rechtliche Journalisten die Protestler telefonisch beleidigen. Konkrete Beispiele nennt Hinrichs nicht.

Allerdings stellt sie klar, dass die Aktionen der Letzten Generation in gleicher Art und Weise weitergehen würden. Man glaube, damit das "moralisch Richtige" zu tun. "Die Bundesregierung soll unseren Protest beenden – jetzt –, indem sie die Krise in den Griff bekommt."
Bis dahin gehe der Widerstand weiter.