Sprache

Rassismus: Mehr als 1000 Vogelnamen in Deutschland bereits geändert

Sie sind ein Überbleibsel von rassistischem Gedankengut und Kolonialismus. Viele Vögeln tragen bis heute Namen, die in der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert werden.

Von Tobias Hofbauer
Wegen seines schwarzen Kopfes war dieser Papagei als Mohrenkopfpapagei bekannt. Jetzt heißt er Senegalpapagei. Symbolbild:
Wegen seines schwarzen Kopfes war dieser Papagei als Mohrenkopfpapagei bekannt. Jetzt heißt er Senegalpapagei. Symbolbild: imago stock&people

Magdeburg - Sind rassistische Vogelnamen bis heute normal? Der Eindruck entsteht zumindest, wenn man sich die Namen der Tiere einmal durchliest: Hottentottenente, Mohrenkopfpapagei oder Zigeunervogel. Auch wenn viele der Tiere nur eingefleischten Vogelkundlern ein Begriff sein dürften, erhitzt das Thema seit Jahren die Gemüter.

Auch die Debatte um inklusive Sprache erreicht immer mehr Aufmerksamkeit und Anhänger. Sei es das Gendern oder das Abschaffen von diffamierenden Begriffen wie "Zigeunersoße" und dem "Mohrenkopf". Was die Namensgebung der Tiere angeht, so haben Ornithologen damit erst vor wenigen Jahren begonnen.

Die geänderten Vogelnamen sollen erst der Anfang sein.
Die geänderten Vogelnamen sollen erst der Anfang sein.
Grafik: prePress Media Mitteldeutschland GmbH

Ornithologen wollen mehr Namen ändern

Der Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) hat kürzlich angekündigt, die Namen einiger Vogelarten zu ändern, da sie rassistisch seien. „Umbenennungen sind an der Tagesordnung“, sagte der Leiter der DO-G, Peter Barthler, laut der Ippen-Media-Gruppe. Allerdings wolle man „so wenig wie möglich an den eingebürgerten Namen europäischer Brutvögel drehen“.

Bislang habe man bereits 1000 verschiedene Vogelnamen geändert, weil sie diskriminierend seien oder einen kolonialen Hintergrund hätten. Genauer angeguckt hätten sie sich die Vorsilbe „Mohr“, die bis in das 19. Jahrhundert zurückgeht und verwendet wurde, wenn die Tiere dunkel gefärbt waren. Als Hottentotten werden diskriminierend afrikanische Ethnien bezeichnet - mehr als 50 Arten tragen diese Bezeichnung im Namen.

Heimische Vogelarten

Trotz SS-Vergangenheit: In Deutschland gibt es nach wie vor die vom Vogelkundler Günther Niethammer 1937 eingeführten Odins- und Thorshühnchen. Die Namen der Tiere sind dabei eine Referenz an die von den Nazis verehrten germanischen Götter. Niethammer war außerdem zwei Jahre im Konzentrationslager Auschwitz stationiert, seiner Karriere schadete das aber nicht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hießen die Vögel noch Schmalschnäbliger und Plattschnäbliger Wassertreter.

Der in Sachsen-Anhalt unter Schutz stehende Ziegenmelker verdankt seinen Namen einem Aberglauben und wurde daher in Nachtschwalbe umbenannt. Der Insektenfresser ist nachtaktiv wie Eulen und fliegt so schnell, dass man oft nur seinen Schatten sieht. Bis heute trägt er seinen volkstümlichen Namen, weil die Menschen glaubten, dass er den Ziegen, Schafen und Rindern nachts die Milch aus dem Euter sauge. In Wahrheit schwirren aber nur viele Insekten um das Weidevieh. Die Hauptnahrung der Nachtschwalbe.

So bennen andere Länder ihre Vogelarten um

In Schweden haben sich Vogelkundler 2015 rund 10.000 Namen angeschaut und entschieden: Zehn Spezies werden umbenannt. Aus dem „Zigeunervogel“ wurde "Hoatzin", der „Weißbrust-Negerfink“ heißt jetzt "Weißbrust-Nigrita" und der „Kaffernsegler“ ist jetzt als „Weißbürzelsegler“ geläufig. Auch in Norwegen, Dänemark, in den USA und Großbritannien entschied man sich für die Umbenennung.

Negativbeispiele waren beispielsweise der McCown's Longspur, der auf den Namenspatron John P. McCown zurückzuführen ist. Der war Offizier der Konföderierten und Befürworter der Sklaverei. Den Begriff Oldsquaw, im deutschen Eisentesah die Kommission als abwertenden Ausdruck für weibliche Indigene an. Die neue gegebenen Namen richten sich nun vielmehr an die Beschreibung visueller Merkmale wie ein dicker Schnabel oder langer Schwanz.