Sprache

Darf man „Schwarzfahren“ noch sagen?

Rassismus-Debatte: Zwei deutsche Verkehrsbetriebe wollen „Schwarzfahrer“ aus ihrer Kommunikation streichen. In Sachen-Anhalt sieht man dafür keine Notwendigkeit.

Von Tom Szyja
In Magdeburger Bussen und Bahnen werden Fahrgäste zurzeit mit solchen Sprüchen darauf aufmerksam gemacht, dass das Fahren ohne Fahrschein teuer wird. Werden Wörter wie "Schwarzfahren" bald der Vergangenheit angehören?
In Magdeburger Bussen und Bahnen werden Fahrgäste zurzeit mit solchen Sprüchen darauf aufmerksam gemacht, dass das Fahren ohne Fahrschein teuer wird. Werden Wörter wie "Schwarzfahren" bald der Vergangenheit angehören? Foto: dpa

In München und Berlin wollen die Verkehrsbetriebe künftig auf das Wort „Schwarzfahrer“ verzichten, um Rassismus-Vorwürfen entgegenzutreten. In Magdeburg versteht man die Aufregung nicht, will vorerst an den Begrifflichkeiten festhalten. „'Schwarzfahren' hat nichts mit der Hautfarbe zu tun, sondern leitet sich im Ursprung vom jiddischen Begriff „shvarts“ – also „arm“ – ab“, erklärt MVB-Sprecher Tim Stein.

Aktuell werden Fahrgäste in den Magdeburger Bussen und Bahnen mit Sprüchen wie „Schwarz fahren? Blau ärgern“ (siehe Foto) an den Fahrscheinkauf erinnert. „Dennoch regt uns die aktuelle Diskussion an, über die vorhandenen Aufkleber nachzudenken. Wir planen, alle Aufkleber in unseren Fahrzeugen neu zu designen (also nicht nur den „Schwarzfahrer“-Aufkleber). In diesem Zusammenhang wird das zukünftige Wording überprüft“, so Stein.

Linke unterstützt Änderungsvorschlag

Die Parteien im Landtag von Sachsen-Anhalt bewerten die Diskussion unterschiedlich. Chris Schulenburg von der CDU-Fraktion hält die Debatte für „absurd“: „Das ist ein gängiger Begriff der im Recht und von der Polizei verwendet wird und braucht keine Alternative.“ Henriette Quade von der Linkspartei unterstützt hingegen den Vorstoß: „Ich begrüße den Ausdruck, den Begriff „Schwarzfahrer“ nicht mehr zu verwenden. Ich halte es für sehr verantwortungsvoll. Es sollte Anstoß sein, sich Gedanken darüber zu machen, dass sich Menschen durch diese Sprache diskriminiert fühlen.“

Die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Salzlandkreis sieht überhaupt keinen Anlass für die Debatte. Im Tarifverband Marego, zudem die KVG gehört, würden die Begriffe „Schwarzfahren“ oder „Schwarzfahrer“ überhaupt nicht verwendet. Dies teilte die KVG auf Volksstimme-Anfrage mit.

Ebenso verhält es sich beim Bahnunternehmen Abellio. „Wir verwenden die Begriffe „Schwarzfahren“ und „Schwarzfahrer“ in unserer Kommunikation nicht. Anders als kommunale Nahverkehrsunternehmen bringen wir in den Zügen auch keine Aufkleber oder Plakate an, die darauf hinweisen, dass ohne gültigen Fahrausweis ein erhöhtes Beförderungsentgelt bezahlt werden muss“, erklärte ein Sprecher des niederländischen Unternehmens.