Sozialhilfe Viele Erwerbstätige müssen mit Bürgergeld aufstocken
Knapp 25.000 Erwerbstätige in Sachsen-Anhalt müssen trotz Job Bürgergeld beziehen. Was steckt hinter den Zahlen und warum trifft es besonders Alleinerziehende?

Magdeburg - Die Zahl der sogenannten Aufstocker unter den Erwerbstätigen ist in Sachsen-Anhalt höher als im Bundesdurchschnitt. Wie aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, bezogen im Jahr 2024 knapp 25.000 Menschen in Sachsen-Anhalt Bürgergeld, obwohl sie gearbeitet haben.
„Die oft polemische Debatte über angeblich faule Bürgergeldempfänger geht an der Realität vieler Menschen in Sachsen-Anhalt völlig vorbei“, sagte die sozialpolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Monika Hohmann. Das sei kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. „Wer arbeiten geht, muss von dieser Tätigkeit auch leben können.“
Gründe können Teilzeit, Minijobs oder niedrige Löhne sein
Wie aus den Daten der Landesregierung hervorgeht, mussten 2,25 Prozent der Erwerbstätigen ihren Lohn aufstocken. Im Bundesdurchschnitt lag der Anteil 2024 bei 1,92 Prozent. Gleichzeitig geht aus den Daten aber auch hervor, dass der Anteil der Aufstocker in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist: von 3,15 Prozent im Jahr 2020 auf 2,25 Prozent 2024.
Die Linke fordert daher mehr Tarifbindung. Bereits 2021 fand eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) heraus, dass viele Aufstocker in Deutschland vor allem in Minijobs und zu Niedriglöhnen arbeiteten. Besonders Alleinerziehende wiesen das höchste Risiko auf, zum Aufstocker zu werden. Auch Teilzeitbeschäftigte zählten laut Studie verstärkt zu den Aufstockern.