Agrar

Weinlese in Franken beginnt

Oft ist es monatelang zu trocken, heuer war es viel zu nass. Nach nervenaufreibenden Monaten starten Frankens Winzer mit der Hauptlese. Die einen per Hand, andere mit Vollerntern. Bleibt es warm, dürften die meisten zufrieden sein.

Von dpa 16.09.2021, 13:24 • Aktualisiert: 17.09.2021, 19:51
Trauben liegen in einem Behälter auf einem Anhänger.
Trauben liegen in einem Behälter auf einem Anhänger. Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild

Nordheim am Main - Mancherorts hängt nicht eine Traube am Stock, in anderen Regionen sind die Winzer zum Start der Lesezeit zufrieden mit Wachstum und Qualität der Beeren. „Wir müssen uns auf jede Ernte neu einstellen“, sagte der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann, anlässlich der offiziellen Eröffnung der Weinlese am Donnerstag in Nordheim (Landkreis Kitzingen).

Mit einer roten Rebschere schnitt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) Bacchus-Trauben von Stöcken auf der Weininsel. „Das Wetter wird immer unvorhersehbarer“, sagte sie mit Blick auf die Kapriolen im vergangenen und in diesem Jahr.

Franken ist mit 99 Prozent der Anbaufläche das wichtigste Weinanbaugebiet in Bayern. Es gibt etwa 3500 Winzer, 700 davon direktvermarktend, und dazu Genossenschaften, die alle insgesamt auf mehr als 6300 Hektar Wein anbauen.

In diesem Jahr grämten sie sich zwar nicht über die gefürchteten Spätfröste, die ihnen 2020 den kleinsten Ertrag seit 35 Jahren bescherten. Dennoch regnete es gerade im Frühjahr und Sommer viel zu oft - und der sogenannte Falsche Mehltau (Peronospora) machte sich vielerorts auf Blättern und Beeren breit. In einigen Lagen beklagten Winzer bis zu 80 Prozent Ausfall an den Stöcken. Andernorts konnten sich die Weinbauern des Pilzes erwehren, ob mit rigorosem Laubschnitt oder Pflanzenschutzmitteln.

„Das Weinjahr 2021 forderte die Winzer ungemein - und wird sicherlich aufgrund der hohen Arbeitsintensität, die kaum Verschnaufpausen gegönnt hat, den Winzern lange in Erinnerung bleiben“ sagte Steinmann. Die Winzer seien aber überwiegend zufrieden.

„Sie ernten den Lohn des Jahres“, sagte etwa Weinbauer Thomas Borst aus Nordheim. Die Keller seien wegen der mageren Jahre zuletzt sehr leer gewesen. Je nach Rebsorte hingen nun Trauben für drei bis vier Bocksbeutel an einem Stock. Ob per Hand oder Maschine - in den nächsten Wochen werde nun der Großteil geerntet und im Keller veredelt.

2020 konnten lediglich 4400 Liter pro Hektar und damit insgesamt etwa 27 Millionen Liter Traubenmost verarbeitet werden. Mit 7600 Liter pro Hektar liegt der Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre rund 40 Prozent höher. Heuer erwartet der Verband einen durchschnittlichen Ertrag.

Hinsichtlich der Qualität von Silvaner, Müller-Thurgau und Co rechnet Steinmann eher mit schlanken, feinen Weinen und einem geringeren Alkoholgehalt - in sehr sonnenreichen Jahren ist der Zuckergehalt in den Trauben und damit der Alkoholanteil höher. Die kühlen Nächte vor der Lese seien optimal für frische, feinfruchtige Weine, sagte er. „Besonders beim Silvaner erwarten wir eine sehr gute Qualität.“