Magdeburg l Darmkrebs entwickelt sich meist jahrelang unbemerkt, denn die ersten „Symptome auf Darmkrebs sind meist unspezifisch“, sagt der Darmspezialist Privatdozent Dr. Marino Venerito, Oberarzt an der Magdeburger Uniklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie. Häufigere Tagesmüdigkeit und eine verringerte Leistungsfähigkeit werden von den Betroffenen oftmals als Befindlichkeitsstörungen ignoriert. Gleiches gilt für häufiges Schwitzen, Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, Blähungen oder Blut im Stuhl.

Tatsächlich können diese unklaren Symptome durchaus harmlose Ursachen haben, bestätigt Dr. Venerito. Allerdings ist das natürlich keine Gewissheit. Um möglichst frühzeitig die Darmkrebsvorstadien zu diagnostizieren ist es immer ratsam, bereits frühzeitig am Darmkrebs-Screening teilzunehmen. Es gibt viele verschiedene Diagnosemethoden, deren Effizienz unterschiedlich bewertet wird. Eine Übersicht:

1. Enzymatische Tests (Guajak- bzw. Hämoccult-Test):

Als Vorsorgeleistung werden diese Tests seit fast einem halben Jahrhundert für Frauen und Männer angeboten. Man muss dazu kleine, mit Stuhlproben bestrichene Filterpapiere beim Hausarzt abgeben. Die Krankenkassen übernehmen diese Tests ab 50 Jahren. Die enzymatischen Darmkrebstests gelten aber als unsicher. Ein Tumor kann dabei oft übersehen werden. Als Alternative haben Mediziner in den vergangenen Jahren zuverlässigere Nachweisverfahren entwickelt.

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2. Immunologische Tests:

Auch dafür müssen Männer und Frauen eine kleine Stuhlprobe in der Arztpraxis abgeben. Sie wird im Labor auf Reaktionen körpereigener Antikörper untersucht. Fehlerhafte Ergebnisse durch Ernährung oder Einnahme von Medikamenten (wie ASS und schmerzstillenden Tabletten) sind deutlich seltener. Bislang waren die Immunologischen Tests auf Darmkrebs eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die Kassenpatienten zusätzlich beim Arzt bezahlen mussten (ab cirka 15 Euro und mehr). Vor einem Jahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Kassen und Ärzteschaft eine Kostenübernahme der Diagnostik für die Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen empfohlen. Ab 1. April 2017 sollen alle Kassenpatienten einen Anspruch darauf haben. Liefert diese Untersuchung Hinweise auf Darmkrebs, ist eine Darmspiegelung (Koloskopie) zu empfehlen.

3. Darmspiegelung (Koloskopie):

Alle Kassenpatienten können ab dem 55. Geburtstag eine Darmspiegelung (Koloskopie) in Anspruch nehmen, auch wenn zuvor keine enzymatischen oder Immunologischen Tests auf Darmkrebs durchgeführt wurden. Bei der Darmspiegelung untersuchen Fachärzte den Darm mit einem dünnen, schlauchförmigen Instrument (Koloskop). Eine Videokamera liefert Bilder aus dem Darminneren. Die Vorbereitung auf die Darmspiegelung erfordert etwas Disziplin. Tage zuvor darf man keine schwere Kost zu sich nehmen und muss sehr viel Flüssigkeit mit Abführmitteln trinken. Das ist wichtig, „denn je sauberer der Darm während der Kontrolle ist, desto besser sind auffällige Veränderungen an der Darmwand zu erkennen“, sagt Dr. Venerito. „Die Koloskopie gilt derzeit als die zuverlässigste Methode der Darmkrebsvorsorge“, argumentiert auch Dr. Hartmut Baumann, Facharzt für Innere Medizin in Gardelegen. Er ist einer von rund 2400 Spezialisten, die Darmspiegelungen in Deutschland durchführen dürfen. Alternativ gibt es zwei weitere Diagnoseverfahren, deren Nutzen für den Patienten derzeit aber noch in der wissenschaftlichen Erprobung ist.

4. Die Kapsel-Endoskopie:

Im Unterschied zur Koloskopie muss man dabei eine elektronische Kapsel der Größe eines Daumennagels schlucken. Die Kapsel durchläuft den gesamten Verdauungstrakt und macht dabei Aufnahmen, die nach dem Verlassen der Kapsel über den Darmausgang von Fachärzten wie Dr. Venerito ausgewertet werden. Nachteilig gegenüber der Koloskopie ist, dass bei der Untersuchung nicht gleichzeitig Krebsvorstufen (Polypen) abgetragen werden können. Werden sie entdeckt, ist eine zusätzliche Koloskopie notwendig. Angewendet wird die Kapsel-Endoskopie bei Patienten mit chronisch- entzündlichen Darmerkrankungen.

5. Die virtuelle Darmdiagnostik:

Sie gilt als ein zukunftsweisendes, noch unausgereiftes Verfahren für das Darmkrebs-Screening. Dabei wird der menschliche Darm von außen mittels Magnetresonanz-Tomografie (MRT) dreidimensional analysiert. Das ist schonender als die zuvor genannten, invasiven Techniken (Koloskopie oder Kapsel). Wie die beiden Verfahren erfordert die virtuelle Darmdiagnostik eine gute Darmreinigung Tage vor der Untersuchung. Bei Hinweisen auf Krebsvorstufen oder Krebs ist eine zusätzliche Koloskopie bzw. eine Darmoperationen notwendig.

Empfehlung:

Ab dem 50. Lebensjahr sollte jeder Bundesbürger eine Darmkrebskontrolle auf verdecktes Blut im Stuhl im Jahr durchführen lassen, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Fünf Jahre danach empfehlen Kassen die allgemeine Darmspiegelung. Bei Patienten mit Symptomen oder einem familiär erhöhten Risiko (wenn nahe Angehörige in jungen Jahren an Darm- oder Gebärmutterkrebs erkrankten) kann eine Spiegelung schon früher auf Kassenkosten durchgeführt werden.

Informationen zu Regionalen Darmspezialisten, die am Krebs-Screening teilnehmen finden Sie hier: