Magdeburg l Frösteln an kalten Tagen ist eine normale Reaktion auf Temperaturen, die deutlich unter der menschlichen Körpertemperatur liegen. Um die Funktion lebenswichtiger innerer Organe zu erhalten, ziehen sich die Blutgefäße in der Haut, insbesondere in den äußeren Körperbereichen, zusammen.

„Frieren ist normalerweise ein Warnzeichen, sich nicht länger der Kälte auszusetzen und dagegen etwas zu tun“, so Prof. Dr. Zuhir Halloul, Leiter des Arbeitsbereiches Gefäßchirurgie am Uniklinikum Magdeburg. Eine unbewusste Hautreaktion auf Kälte ist auch die sogenannte Gänsehaut. Hautärzte sprechen von Piloerektion. Sie ist vermutlich ein Überbleibsel aus einer Zeit, als unsere Vorfahren noch eine dichte Körperbehaarung hatten. Durch die Gänsehaut richten sich die Haare auf. Dadurch können sich in den kleinen Zwischenräumen zwischen den Haaren isolierende Luftpakete bilden und der kalte Wind kann nicht bis zur Hautoberfläche gelangen. Bei nackter Haut versucht sich der Körper durch schnelle An- und Entspannung von Muskelgruppen warm zu halten.

Gefahr von Gefrierbrand

Liegen die Temperaturen auf der Haut deutlich unter der Gefriergrenze von Wasser, gefriert die Feuchtigkeit unter Bildung von Eiskristallen in den Zellen. Die Folge sind „Gefrierbrände“ ähnlich wie beim Verbrennen. Der Aufbau der Zellen wird dabei zerstört. Frauen frieren tatsächlich meist schneller als Männer. Das liegt an mehreren Faktoren. Einerseits ist ihre Haut etwas dünner und anders strukturiert als die der Männer. Zudem haben sie durchschnittlich auch weniger Muskelmasse, die zur Wärmeproduktion des Körpers beiträgt.

So können sie durch reflexartige Engstellung von Gefäßen auch die Ausbreitung von Infektionen begünstigen, bestätigt Professor Halloul. „Die relative Gefäßengstellung an Eintrittspforten wie dem Rachen führen dazu, dass weniger Zellen der Infektabwehr und Antikörper an die Schleimhautoberfläche gelangen.“ Zum Glück kann man sich mit wärmender Kleidung gut vor Kälte schützen. Am besten ist das Zwiebelschalen-Modell, das heißt mehrere Kleidungsschichten bei großer Kälte. Selbstverständlich sein sollten gefütterte Winterschuhe oder Stiefel. Sie dürfen den Fuß nicht einengen und sollten eine gut isolierende Sohle besitzen. Außerdem müssen sie Nässe von außen abhalten, denn das steigert das Risiko, kalte Füße zu bekommen. Stoffschuhe oder Pumps sind bei Straßennässe und Schnee keineswegs angebracht.

Sitzen und regungsloses Stehen sind ein Erkältungsrisiko, das viele Menschen unterschätzen. Durch das Nichtbewegen der Füße sinkt die Temperatur an den Fußsohlen binnen weniger Minuten um mehrere Grad. Das konnten unlängst Mediziner um Prof. Peter Mertens vom Gesundheitscampus der Uni Magdeburg an gesunden Menschen und Patienten mit Diabetes nachweisen.

Füße immer in Bewegung halten

„Grundsätzlich ist es wichtig, die Füße regelmäßig in Bewegung zu halten“, empfiehlt der Gefäßmediziner. Das gilt auch beim Stehen an der Bushaltestelle. Wer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen mit „Eisbeinen“ nach Hause kommt, sollte mit Bädern unterhalb der Körpertemperatur, mit Fußgymnastik sowie mit Massagen die Blutzirkulation anregen. „Wichtig ist es, oberflächliche, kleine Hautverletzungen zu vermeiden“, so der Magdeburger Gefäßchirirg und Oberarzt Prof. Dr. Frank Meyer. Von heißen Bädern oder Güssen bei unterkühlten Extremitäten raten die Ärzte dringend ab, um Gefäßschäden zu vermeiden. Nach gründlichem Abtrocknen der Füße sollte man in wärmende Baumwollsocken oder bequeme Hausschuhe schlüpfen.

Wer unabhängig von den kalten Temperaturen leicht fröstelt, sollte darüber mit der Hausärztin beziehungsweise dem Hausarzt sprechen. Das Symptom kann unter anderem auch auf Gefäßveränderungen, niedrigen Blutdruck, eine Schilddrüsenunterfunktion oder einen Eisenmangel hinweisen.