Magdeburg l Eigentlich ist es eine Binsenweisheit: Babys und Kinder schlafen deutlich länger als Erwachsene. „Babys im Alter von einem Monat schlafen im Durchschnitt über 14 Stunden des Tages“, sagt die Magdeburger Kinderärztin Dr. Uta Beyer, Leiterin des einzigen Kinderschlaflabors Sachsen-Anhalts mit dem Qualitätssiegel der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Ein vierjähriges Kind benötigt bereits weniger als zwölf Stunden. Und ein Erwachsener kommt im Schnitt mit sieben Stunden täglicher Nachtruhe aus. „Allerdings sind die individuellen Unterschiede sehr groß“, gibt Dr. Beyer, Oberärztin an der Universitätskinderklinik Magdeburg zu Bedenken. In den ersten Lebenswochen und Monaten sind noch viele Schlafenszeiten über den Tag verteilt. Dabei wechseln sich Wachphasen mit mehrstündigen Schlafphasen ab. Dieser Rhythmus wird auch durch das Bedürfnis nach Nahrung und Zuwendung beeinflusst.

Im Verlauf des ersten Lebensjahres verschiebt sich die Schlafenszeit zunehmend auf die Mittags- und Nachtstunden. Eltern sollten diese Entwicklung unterstützen durch die Einhaltung eines regelmäßigen Tagesablaufs und eine entsprechende Schlafhygiene. Das bedeutet, dass Kinder lernen müssen, im eigenen Bett allein einzuschlafen.

„Erwacht das Kind in der Nacht und findet die gewohnte Einschlafsituation wieder, kann es selbständig wieder weiterschlafen“, so die Magdeburger Kinderärztin. Zum Einschlafen tragen eine ruhige Atmosphäre und Dunkelheit im Zimmer bei – ebenso aber auch kleine Einschlaf-Rituale beim Schlafengehen. Je nach den wechselnden Bedürfnissen des Kindes können das zum Beispiel gemeinsames Kuscheln, ein Einschlaflied, das Vorlesen einer Geschichte oder ein gemeinsames Gebet sein. „Wir erleben es oft in unserer Schlafsprechstunde, dass Nahrungsgaben in das Einschlafritual eingebunden sind oder die Kinder nur auf dem Arm der Eltern einschlafen wollen. Das stört jedoch bei der Entwicklung eines normalen Schlafverhaltens“, so Dr. Beyer.

Nicht zur Strafe ins Bett schicken

Ebenso ungünstig können sich Hektik, Stress und Anspannung vor dem Schlafengehen auswirken. Das ist auch der Grund, weshalb Schulkinder kurz vor dem Zubettgehen keine Schularbeiten machen und keine Computer- oder Videospiele spielen sollten. Probleme des Tages sollten geklärt sein, damit die Kinder unbeschwert schlafen, sich dabei gut erholen und auf den nächsten Tag freuen können. „Auf keinen Fall sollten Jungen und Mädchen zur Strafe ins Bett geschickt werden“, sagt die Ärztin.

Häufig bei Kindern ist auch ein plötzliches, nächtliches Aufschrecken bzw. Schlafwandeln. Mediziner sprechen von sogenannten Parasomnien. Die individuelle Symptomatik ist vielfältig. Sie reicht von Schreien und Sprechen im Schlaf, über Arm- und Beinbewegungen bis hin zu unbewussten Aktivitäten außerhalb des Betts. Nach dem Erwachen können die Betroffenen sich daran meist nicht mehr erinnern. „Wenn die Kinder tagsüber nicht müde bzw. durch das nächtliche Geschehen bedrückt sind, besteht kein ernsthafter Anlass zu Sorgen“, so Dr. Beyer. „Kindliche Parasomnien“ verschwinden im Schulalter meist von selbst. Eine Behandlung ist nicht erforderlich.

Ratsam kann es aber sein, vorbeugende Maßnahmen gegen Verletzungsgefahren beim nächtlichen Spaziergang zu ergreifen – zum Beispiel die Sicherung von Fenstern, Treppen oder Haustüren, denn die sprichwörtliche schlafwandlerische Sicherheit ist leider nur ein Mythos. Dabei sind Schlaftabletten keine Lösung kindlicher Schlafstörungen. Wirken Mädchen und Jungen am Tag wiederholt unausgeruht und in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, sollten sie einem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden. Manchmal ist eine Untersuchung im Schlaflabor erforderlich, um die Ursache des nichterholsamen Schlafs festzustellen. Eine Beratung durch erfahrene Kinder-Mediziner kann weiterhelfen, so Dr. Beyer.

Eine Liste der Kinder-Schlaflabore gibt es im Internet unter www.dgsm.de/schlaflabore_liste.php.