Magdeburg l Wer den Führerschein machen will, der muss Grundkenntnisse in der Lebensrettung nachweisen können. Für die meisten Bundesbürger sind die Schulungen zur Ersten Hilfe allerdings schon viele Jahre her. Mit der Zeit verblasst das Wissen über die Notfallmedizin. Was tun, wenn es plötzlich darauf ankommt? Verschiedene Studien zeigen, dass leider nicht jeder sich traut, erste Hilfe zu leisten.

Oftmals geht es gar nicht um Hilfe für Fremde. Die Wahrscheinlichkeit, einem nahen Verwandten wie der Ehefrau, dem Bruder oder einem Elternteil erste Hilfe leisten zu müssen, ist viel häufiger. „In drei Viertel der Notfälle handelt es sich um Angehörige“, sagte Professor Uwe Ebmeyer von der Magdeburger Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie.

Wer nichts tun, den bestraft das Leben

Bei einem Atemversagen, z.B. durch Herzversagen, beginnen die Zellen im Gehirn bereits nach drei bis fünf Minuten abzusterben. So schnell ist der medizinische Rettungsdienst selbst in der Stadt selten vor Ort. Nach nur fünf Minuten Blutstillstand können Ärzte nur noch etwa die Hälfte der Betroffenen retten. Deshalb ist schnelles Handeln von medizinischen Laien sehr wichtig, so die Rettungsärztin Dr. Jana Bergner vom Uniklinikum.

In ihren Vorträgen erläuterten die Referenten u.a. das ABC der Wiederbelebung. A steht für Atemwege freihalten, B für Beatmung und C steht für das englische Wort Circulation (Herzdruckmassage).

Das richtige Verhalten im Notfall demonstrieren die Referenten an künstlichen Puppen, mit denen später auch die Zuhörer ihr Wissen praktisch testen durften. Am Beginn jeder Wiederbelebungsmaßnahme steht die Prüfung auf Atmung und Bewusstsein des Patienten. Wenn dieser nicht auf Ansprechen oder Berührungen reagiert und mehr atmet, sollte sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden.

Dabei ist mit übereinandergelegten Handballen die Mitte des Brustkorbs etwa fünf Zentimeter tief zu drücken - und das etwa alle zweimal pro Sekunde. Um ein Gefühl für den Takt zu bekommen, ist es hilfreich, sich an einen Klassiker der Musikgeschichte aus den 1970er Jahren zu erinnern: den damals populären Song „Staying a Life“ der australischen Popgruppe Bee Gees.

Die kräftezehrende Herzdruckmassage sollte so lange fortgeführt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wer will, kann nach etwa 30 Herzdruckmassagen eine oder zwei Atemspenden durch Mund oder Nase geben, um dann die Herzdruckmassage fortzusetzen. Nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen, sind Atemspenden aber nicht ganz so notwendig wie die Herzdruckmassagen, so Professor Ebmeyer.

Maßnahmen beginnen, dann 112 anrufen

Mit dem Beginn der ersten Nothilfe sollte auch die Rettungsleitstelle unter der Rufnummer 112 angerufen werden. Auf die zu erwartenden vier „W-Fragen“ sollte man langfristig vorbereitet sein: Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele Verletzte gab es? Welche Verletzungen oder Krankheitssymptome traten auf (z.B. Bewusstlosigkeit, Lähmungen oder starker Blutverlust)? Ist man als einziger Retter vor Ort, muss man zwischen den Herzdruckmassagen den Notfall melden. Für die Notfallmediziner ist es hilfreich, wenn sie einen Zettel mit den ständig eingenommenen Medikamenten und der Adresse des Hausarztes bekommen.

Auf die Frage eine Zuhörers antwortete Prof. Dr. Uwe Ebmeyer, dass selbst richtig durchgeführte Herzdruckmassagen zu Rippen- und Brustbeinbrüche führen können. Diese, später behandelbaren Nebenwirkungen sind jedoch zu vernachlässigen angesichts der Notfallsituation. Niemand kann für mögliche negative Folgen der ersten Hilfe rechtlich belangt werden, so lange nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt wird. Wer hingegen nichts tut, macht sich zumindest moralisch strafbar.

Die Ärzte raten, Auffrischungskurse vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst, dem Arbeiter Samariter Bund (ASB), der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), der Johanniter-Unfall-Hilfe und von anderen Hilfsorganisationen zu nutzen. Die Kurse dauern nur wenige Stunden, kosten um die 30 Euro und helfen Leben zu retten.