Magdeburg l Viele Leser erkundigten sich bei Nierenspezialisten über die Möglichkeiten zur Vermeidung. Die Ärzte der Universitätsklinik Magdeburg geben Antworten.

Wie kann es zu einer Nierenschwäche kommen und was sind die ersten Symptome?

Es gibt mehrere Risikofaktoren für ein Nierenversagen. Häufige Gründe sind Bluthochdruck, starkes Übergewicht (Adipositas) und Diabetes mellitus (Typ 2). Diabetes erhöht das Risiko einer chronischen Nierenschwäche um das Doppelte und Bluthochdruck verdreifacht es sogar. Auch manche Medikamente können die Nieren schädigen. Anfangs löst eine Nierenschwäche keine Symptome aus. Menschen mit Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes sollten regelmäßig Blut- und Urinanalysen durchführen lassen, um eine nachlassende Nierenfunktion frühzeitig zu erkennen. Aufschluss über die Nierenfunktion geben die Nierenwerte (u.a. Kreatinin und Harnstoff). Die Feinanalyse des Urins beinhaltet die Mengenbestimung von Eiweißausscheidungen und auf Zellen im Urin.

Seit fünf Jahren bin ich mit Diabetes Typ2 in ärztlicher Behandlung. Was kann ich tun, um Nierenschäden zu vermeiden?

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, im Verlauf des Lebens eine chronische Nierenschwäche zu entwickeln. Um dem entgegenzuwirken ist es wichtig, den Blutzucker mit Hilfe einer gesunden und an Kochsalz arme Ernährung, sportlichen Aktivitäten und mit Medikamenten gut einzustellen. Der Hausarzt oder der Diabetesspezialist (Diabetologe) sollte dabei Ihr Partner sein, der Sie individuell beraten kann. Diabetiker sollten beim Arzt die Kreatinin-Werte bestimmen lassen und einen Test auf Eiweißausscheidungen im Urin durchführen lassen. Bei alarmierenden Werten ist eine frühzeitige Überweisung zu Spezialisten für Nierenerkrankungen (Nephrologen) ratsam.

Bei mir hat der Arzt eine chronische Nierenschwäche festgestellt. Was kann ich tun, um Schädigung wieder rückgängig zu machen?

Leider lassen sich chronische Nierenschäden meist nicht wieder rückgängig machen. In den Frühstadien der Erkrankung und bei akuten Schäden ist eine Vorsorge durch den Patienten möglich. Das Fortschreiten der Erkrankung kann durch eine gesunde Lebensweise, d.h. Senkung des Übergewichtes und Einstellung des Bluthochdrucks, Normalisierung der Blutzuckerwerte und schützende Medikamente für die Nieren, hinauszögert werden.

Ich bin seit 15 Jahren Diabetikerin Typ 2. Meine Nierenfunktion ist auf unter 40 Milliliter pro Minute (ml/min) gesunken. Was kann ich tun, um die weitere Verschlechterung der Nierenwerte zu verzögern?

Neben einer gesunden Lebensführung, Normgewicht und regelmäßiger Bewegung ist die medikamentöse optimale Einstellung des Blutdrucks und der Zuckerwerte wichtig. Neuere Medikamente aus der Wirkstoffklasse der Glifozine helfen Diabetikern mit Nierenwerten über 45 ml/min, die Nierenfunktion zu erhalten haben. Die neuen Medikamente in Erprobung schützende Eigenschaften für Herz und Nieren gezeigt. Sie senken auch die Blutzuckerwerte und das Übergewicht.

Meine beiden Nieren arbeiten nur noch zu 20 Prozent. Wann ist eine Dialyse erforderlich und wann kommt eine Nierentransplantation in Frage?

Wenn die Organfunktion (die glomerole Filtrationsrate GFR) auf weniger als zehn Milliliter pro Minute gesunken ist, hilft meist nur noch die Dialyse.

Die Zahl dialysepflichtiger Patienten ist deutlich größer als die Zahl der Nierenspender. Deshalb sind die Wartezeiten auf eine Nierentransplantation auf über zehn Jahre angestiegen. Daher sollte sich jeder Mensch überlegen, ob er nicht Organspender werden will.

Kann man einen Patienten, der bisher eine Hämodialyse erhalten hat, auf eine Bauchfelldialyse umstellen?

Es gibt prinzipiell zwei Arten der Nierenwäsche: die sogenannte Hämodialyse und die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse). Bei der konventionellen Hämodialyse filtert ein Apparat die Schadstoffe aus dem Blut heraus. Dafür muss der Patient dreimal wöchentlich für rund vier bis fünf Stunden in ein Dialysezentrum. Bei der Bauchfelldialyse werden dem Blut die Schlackenstoffe in der Bauchhöhle des Patienten entzogen. Das geschieht mit einer sterilen Flüssigkeit, die durch einen kleinen Katheter in den Bauchraum geleitet wird, und mehrmals täglich gewechselt werden muss. Die Bauchfelldialyse hat den Vorteil, dass sie zu Hause durchgeführt wird. Der Kreislauf wird nicht so stark belastet und gerinnungshemmende Medikamente erübrigen sich oftmals. Ob es in Ihrem Fall ratsam ist, von einer Hämodialyse auf die Bauchfelldialyse umzustellen, sollten Sie mit Ihrem Nierenspezialisten besprechen.

Dürfen Patienten mit einer Nierenschwäche Schmerzmedikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac gegen rheumatische Beschwerden einnehmen?

Bestimmte freiverkäufliche Medikamente sollten Patienten mit einer Nierenschwäche nicht einnehmen. Dazu zählen u.a. Diclofenac und Ibuprofen. Selbst eine einzelne Tablette kann die Nierenfunktion zusätzlich schädigen.

Wie sicher ist eine Nierenverpflanzung unter Ehepartnern?

Die Lebenszeiten mit der Niere eines Ehepartners sind ebenso gut wie die von Verwandten ersten Grades und sogar besser als bei Spendernieren, die von hirntoten Menschen stammen. Vor der Nierenspende werden viele Untersuchungen durchgeführt, um das Operationsrisiko und Folgeschäden gering zu halten. Unter Verwandten ist eine Nierenspende aus medizinischer Sicht durchaus zu erwägen. Für ein gesundes Leben reicht eine funktionierende Niere aus.

Kann man auch noch mit 70 Jahren eine Niere spenden?

Ja, eine generelle Altersbeschränkung für Organtransplantationen gibt es nicht.

Mein Hausarzt hat bei einer Kontrolluntersuchung festgestellt, dass meine Kreatinin-Werte erhöht sind. Er will mich zu einem Nierenfacharzt überweisen. Was kann die Ursache sein?

Erhöhte Kreatenin-Werte können Hinweise auf ein Nierenproblem sein. Um die genaue Ursache festzustellen, ist eine umfangreichere Diagnostik beim Nierenspezialisten ratsam. Er wird Blut- und Urinuntersuchungen durchführen sowie die Nieren im Ultraschall betrachten.

Ich muss meist häufiger als viermal pro Nacht auf die Toilette gehen. Die Menge an abgegebenem Urin ist dann geringer als erwartet. Kann eine Nierenerkrankung die Ursache sein?

Häufige Toilettengänge in der Nacht können sehr verschiedene Ursachen haben, z.B. eine eine Herzschwäche, eine Prostatavergrößerung beim Mann, Harnwegsinfektionen, die bei Frauen häufiger auftreten, eine überaktive Blase oder eine Dranginkontinenz.