Magdeburg l Wer wie der britische Altrocker Mike Jagger noch im Alter von 76 Jahren wie ein „Jungsporn die Bühne rockt“, ist zu bewundern. Umso mehr sorgte sich unlängst die Fangemeinde, als der ehemalige Rolling Stones-Frontmann wegen Krankheit Konzerte absagen musste. Der Grund: Der Seniorenrocker brauchte eine neue Herzklappe.

So wie ihm ergeht es allein in Deutschland mehr als 30 000 Männern und Frauen. Die am häufigsten ersetzte Herzklappe ist die sogenannte Aortenklappe. Wenn sie im fortgeschrittenen Lebensalter verengt, sind körperliche Leistungseinbußen, Kurzatmigkeit und frühzeitige Erschöpfung die Folge.

Herzklappenersatz als Abhilfe

„Medikamente können manchmal die Symptome etwas lindern, ändern aber nichts an den Ursachen“, so Prof. Rüdiger Christian Braun-Dullaeus, Direktor der Magdeburger Uniklinik für Kardiologie und Angiologie. Für Abhilfe kann nur ein Herzklappenersatz sorgen.

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war der Klappenersatz nur mit einer Operation am offenen Herzen unter Einsatz der Herz-Lungenmaschine möglich. Insbesondere ältere Menschen mit Begleiterkrankungen kamen wegen der operativen Risiken dafür leider nicht infrage.

Weniger Kontrastmittel nötig

Seit etwa einem Jahrzehnt ist es möglich, diesen Patienten eine große Operation zu ersparen. Stattdessen schieben Kardiologen eine faltbare Herzklappenprothese in einen Katheter von der Leiste bis ins Herz. Dort wird die Herzklappenprothese bei schlagendem Herzen genau positioniert und so ähnlich wie ein Regenschirm entfaltet. Die verkalkte und enge Herzklappe wird so durch die neue Klappe ersetzt.

Ärzte der Magdeburger Uniklinik für Kardiologie haben in jüngster Zeit den minimalinvasiven Eingriff durch moderne diagnostische Techniken und computergestützte Operationsplanung weiter verbessert. „Wir können nun mit Hilfe der Kombination von Ultraschall und Röntgen den Eingriff mit weniger als 15 Prozent der bislang erforderlichen Menge an Kontrastmitteln durchführen. Perspektivisch werden wir in den meisten Fällen auch auf das CT des Herzens zur Vorbereitung des Klappenersatzes verzichten können“, so Dr. Michael Hansen, Leiter der Intermediate Care-Station an der Magdeburger Uniklinik für Kardiologie.

Am Computer werden räumliche Bilder des Herzens erzeugt, die den Blutfluss an der Aortenklappe zeigen. „Auf diesen Bildern können wir bereits während der Operation sehen, ob die neue Herzklappe richtig sitzt, oder ob Nachjustierungen erforderlich sind.“ Von der in der Kardiologie der Universitätsklinik etablierten Innovation profitieren insbesondere Hochrisikopatienten mit Nierenschwäche.

Weniger Operationsrisiken

Inzwischen ist die sogenannte Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) eine erwiesenermaßen sichere Behandlungsmethode für das eingespielte Team aus Kardiologen und Herzchirurgen. Die Beschwerden können deutlich verbessert werden und die Lebenserwartung ist nach dem Eingriff wieder vergleichbar mit der gleichaltriger Menschen, die keine Aortenklappe benötigen. Deshalb ist die sogenannte TAVI bei Hochrisikopatienten und bei Menschen mit mittlerem Operationsrisiko die Therapie der Wahl. Professor Braun-Dullaeus meint, „dass die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation zukünftig für alle Patienten mit einer Aortenklappenstenose die Behandlungsmethode der ersten Wahl wird“.