Magdeburg l Passend zur bundesweiten Gründerwoche (18.-24. November) stellten Leser beim Volksstimme-Telefonforum Fragen rund um Selbstständigkeit und Finanzierungshilfen. Unsere Experten Dörte Werner (IHK Magdeburg), Dorit Zieler (Handwerkskammer Magdeburg), Michael Müller (Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt) und Harriet Krzyzowski (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt) informierten ausführlich:

Ich will mich mit einer Geschäftsidee selbstständig machen. Wohin kann ich mich wenden?
Prüfen Sie zunächst, wer der richtige Ansprechpartner ist. Gewerbetreibende gehören der IHK an, Handwerker der Handwerkskammer. Bei der für Sie zuständigen Kammer können Sie ein Einstiegsgespräch vereinbaren, Infoveranstaltungen besuchen sowie an fachspezifischen oder kaufmännischen Weiterbildungen teilnehmen. Sollte für die Verwirklichung der Idee eine Finanzierung notwendig sein, können Sie auch hier zunächst eine Beratung in Anspruch nehmen und auch ein Empfehlungsschreiben für Ihre Hausbank erhalten.

Ich brauche für den Start eine Finanzierungshilfe. Welche Möglichkeiten gibt es dafür?
Haben Sie bereits eine Hausbank, sprechen Sie mit dieser über die benötigte Finanzierung. Sie holt bei Bedarf auch weitere Finanzierungspartner an Bord, zum Beispiel, wenn Sie nicht über ausreichend Sicherheiten für einen Kredit verfügen. In diesem Fall kann die Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt (BB) bis zu 80 Prozent des Ausfallrisikos für die Hausbank übernehmen. Bürgschaften sind vollwertige Kreditsicherheiten.

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Sie können sich auch zuerst direkt an die BB (in Ihrem Bundesland) wenden. Sofern Ihr Kreditbedarf maximal 150.000 Euro beträgt, kann die Bürgerschaftsbank anstatt der Hausbank die Erstprüfung Ihres Gründerkonzepts übernehmen. Bei positiver Prüfung Ihres Vorhabens erhalten Sie von der BB eine Bürgschaftszusage, die Ihnen als Türöffner zu einer Bank hilft.

Ich möchte mich online über Finanzierungsmöglichkeiten für mein Gründungsvorhaben informieren, bin aber von den unzähligen Angeboten überfordert.
Im Finanzierungsportal der Deutschen Bürgschaftsbanken (www.finanzierungsportal.ermoeglicher.de) können Sie eine unverbindliche Anfrage stellen, die unter Angabe Ihres Gründungsstandortes direkt an die Bürgerschaftsbank Ihres Bundeslandes geleitet wird.

Sie müssen nur wenige Angaben zu Ihrem Finanzierungsvorhaben und Ihrem gesamten Investitionsbedarf machen. Die BB prüft die Machbarkeit Ihres Vorhabens, schlägt eine Strukturierung der benötigten Finanzierung vor und holt Finanzierungsangebote von bis zu drei Banken ein. Über die Auswahl dieser Banken entscheiden Sie als Unternehmer selbst.

Brauche ich einen Businessplan?
Es ist immer ratsam, einen Businessplan zu erstellen, unabhängig davon, ob man eine Finanzierung benötigt oder nicht. Der Businessplan dient für Sie selbst als Kontrollinstrument. Er umfasst unter anderem die Planung zum Finanzierungs- und Kapitalbedarf sowie die Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung.

Hilfestellung zur Erstellung liefert beispielsweise die Gründerplattform des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). Sie können sich auch an die zuständige IHK oder HWK wenden. Die Berater der Kammern geben Hinweise zu den nötigen Inhalten eines Businessplans und helfen bei der Kalkulation von Planzahlen.

Ich war eine Zeit lang arbeitslos und will jetzt eine Firma gründen. Mehrere Banken haben meine Gründungsfinanzierung wegen zu wenig Eigenkapital und Sicherheiten abgelehnt. Gibt es noch andere Möglichkeiten?
Dafür kommt möglicherweise der Mikromezzaninfonds-Deutschland infrage. Aus ihm können Sie als Starthilfe eigenkapitalähnliches Beteiligungskapital bis zu 150.000 Euro erhalten, sofern Ihre Geschäftsidee tragfähig ist. Die Prüfung und Bearbeitung übernimmt die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) Sachsen-Anhalt, ein Schwesterinstitut der BB.

Meine Firma hat sich seit dem Start vor einem Jahr besser entwickelt als die Prognose war. Wegen des schnellen Wachstums benötige ich eine Nachfinanzierung. Ist das nach so kurzer Zeit möglich?
Eine solche positive Entwicklung entgegen der offenbar vorsichtigen Prognose ist sehr erfreulich. BB und MBG unterstützen in solchen Fällen eine weitere Finanzierung auch in einem kurzen Zeitabstand innerhalb der Gründungsphase.

Haben Sie schon einmal über Beteiligungskapital nachgedacht? Damit können Sie Eigenkapital aufbauen und zugleich Ihre liquiden Mittel schonen.

Weil ich nur sehr wenig Eigenkapital in meine Gründung einbringen und keine Sicherheiten für einen Kredit vorweisen kann, wurde mir eine Fremdbeteiligung an meinem Startup empfohlen. Ich möchte aber nicht an Kontrolle über meine Firma einbüßen.
Die MBG Sachsen-Anhalt übernimmt stille Beteiligungen zwischen 25.000 und 1.000.000 Euro, wobei der Unternehmer immer Herr im eigenen Hause bleibt und nicht in sein Tagesgeschäft hineingeredet wird.

Als Gründer können Sie mit diesem zusätzlichen Startkapital Investitionen finanzieren. Die Laufzeit beträgt in der Regel zehn Jahre. Der Vorteil: In den ersten sieben Jahren muss nicht getilgt werden, damit haben Sie einen größeren Liquiditätsspielraum.

Weil das langfristig bereitgestellte Beteiligungskapital in der Bilanz wie Eigenkapital bewertet wird, verbessern sich Bonität und Rating Ihrer Firma.

Was kann ich machen, wenn ich merke, dass ich meine ursprünglichen Planzahlen nicht erreiche?
In diesem Fall sollten Sie das Gespräch mit Ihrer finanzierenden Bank suchen und gemeinsam Lösungswege erörtern. Auch hier können externe Berater oder die Kammern ebenfalls unterstützen.

Die Handwerkskammern bieten ihren Mitgliedsbetrieben beispielsweise das kostenfreie Instrument „HWK-Control“ an. Auf diese Weise können Stundenverrechnungssätze überprüft und gemeinsam Maßnahmen zur Stabilisierung aufgestellt werden.

Ich bin noch angestellt und möchte erst einmal ausprobieren, ob meine neue Geschäftsidee tragfähig ist. Ist es auch möglich, nebenberuflich in die Selbstständigkeit zu gehen?
Das ist eine attraktive Variante für viele Gründer, da die gesicherten Einnahmen aus dem Haupterwerb weiterhin bestehen. Wichtig ist, für Ihre Nebentätigkeit ein Gewerbe anzumelden und sich vorher bei der IHK oder Handwerkskammer zu informieren, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen.

Es müssen bestimmte Kriterien eingehalten werden: So dürfen Arbeitszeit (maximal 18 Stunden pro Woche) und das erzielte Einkommen nicht das Ihrer Hauptbeschäftigung überschreiten.

Auch wenn Sie arbeitslos sind, dürfen Sie eine selbstständige Tätigkeit nebenbei ausüben. Die Nebentätigkeit müssen Sie natürlich dem Arbeitsamt melden. Das Ziel sollte jedoch sein, dass der Nebenerwerb nur vorläufig ist und ab einem bestimmten Zeitpunkt zum Vollerwerb übergeht.