Halberstadt l Journalisten können nicht ohne ihn, Polizisten brauchen ihn und Lehrer überstehen ohne seine Hilfe kaum den Tag: Kaffee. Laut einer Umfrage der britischen Medienagentur Pressat unter 10 000 Angestellten führen diese drei Berufsgruppen die Liste der größten Koffeinjunkies an.

Nicht in dem Ranking enthalten, aber mit Sicherheit stärker von der Kaffeesucht betroffen, sind wohl alle Beschäftigten in der Berufsgruppe von Steven Löper. Der Halberstädter ist Kaffeeröster. „Über den Tag verteilt kommen da schon einige Tassen zusammen“, verrät der 37-Jährige lachend. Sorgen, dass seine Gesundheit unter seinem Konsum leidet, hat er nicht. „Der Kaffee, den ich trinke, ist hochwertig“, versichert er. Der Fachmann erläutert: „Wenn die Bohnen länger und bei relativ niedriger Temperatur geröstet werden, verliert der Kaffee Säure und Bitterstoffe. Er ist also bekömmlicher.“ Nach dem Genuss des Heißgetränks droht also kein Sodbrennen.

Genau dieses ungute Gefühl im Magen hat Steven Löper zu seinem Beruf gebracht. Gelernt hat der Halberstädter zunächst Kfz-Mechaniker, später absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann für Grundstücke. In beiden Berufen gehörte der Griff zur Kaffeekanne zum Arbeitsalltag. „Aber so gern ich ihn trinke, ich habe ihn oft nicht vertragen“, erinnert sich Löper.

So kommt der Geschmack in den Kaffee

Halberstadt (sr) l Damit Kaffee seine mehr als 800 Aromen entwickeln kann, muss er geröstet werden. Steven Löper aus Halberstadt hat den Beruf des Kaffeerösters gelernt. In seiner Rösterei in Halberstadt zeigt er Besuchern, wie das Handwerk funktioniert.

  • Kaffeebäume können mehrere Meter hoch werden. Sie wachsen hauptsächlich in Äquator-Nähe, der deshalb auch als Kaffeegürtel bezeichnet wird. Foto: Sandra Reulecke

    Kaffeebäume können mehrere Meter hoch werden. Sie wachsen hauptsächlich in Äq...

  • Sieht antiquiert aus, wird aber noch immer benutzt: Steven Löper kontrolliert an der Sortiermaschine, dass sich keine Steine oder faulen Bohnen in der Lieferung befinden. Foto: Sandra Reulecke

    Sieht antiquiert aus, wird aber noch immer benutzt: Steven Löper kontrolliert an der Sortier...

  • Im unbehandelten Zustand sind Kaffeebohnen hell, fast grünlich. Auch haben sie kaum Aroma. Foto: Sandra Reulecke

    Im unbehandelten Zustand sind Kaffeebohnen hell, fast grünlich. Auch haben sie kaum Aroma. F...

  • Damit sie ihren charakteristischen Geruch und Geschmack entwickeln können, müssen sie geröstet werden. Foto: Sandra Reulecke

    Damit sie ihren charakteristischen Geruch und Geschmack entwickeln können, müssen sie g...

  • Dafür werden die Bohnen in einen Kaffeeröster gegeben. In einer Trommel werden sie bei 180 bis 200 Grad Celsius und unter ständiger Bewegung erhitzt. Zwischendurch testet der Röster immer wieder, wie weit der Vorgang vorangeschritten ist. Foto: Sandra Reulecke

    Dafür werden die Bohnen in einen Kaffeeröster gegeben. In einer Trommel werden sie bei ...

  • Beim Rösten verlieren die Kaffeebohnen Wasser. Sie werden leichter und größer, ihre Farbe verändert sich. Foto: Sandra Reulecke

    Beim Rösten verlieren die Kaffeebohnen Wasser. Sie werden leichter und größer, ihr...

  • Nach 15 bis 20 Minuten im Kaffeeröster haben die Bohnen eine dunkelbraune Farbe bekommen. Außerdem verströmen sie jetzt den typischen Kaffee-Geruch. Foto: Sandra Reulecke

    Nach 15 bis 20 Minuten im Kaffeeröster haben die Bohnen eine dunkelbraune Farbe bekommen. Au...

  • Nach dem Röstvorgang werden die Bohnen auf ein Kühlsieb geschüttet. Unter ständiger Bewegung werden sie schnell auf eine niedrige Temperatur gebracht. Danach können sie als ganze Bohne oder gemahlen verkauft werden.  Foto: Sandra Reulecke

    Nach dem Röstvorgang werden die Bohnen auf ein Kühlsieb geschüttet. Unter stä...

  • Kaffee entwickelt beim Rösten rund 800 Aromen - damit ist er das aromareichste Lebensmittel der Welt. Foto: Sandra Reulecke

    Kaffee entwickelt beim Rösten rund 800 Aromen - damit ist er das aromareichste Lebensmittel ...

Kaffee ist nicht gleich Kaffee

Die Lösung brachte ihm ein Fernsehbericht über Kaffee und seine Herstellung. Kurzerhand fuhr Steven Löper nach Hamburg zu der Rösterei, die im Bericht vorgestellt wurde. „Da habe ich erst verstanden, dass Kaffee nicht gleich Kaffee ist“, sagt der Halberstädter. Sein Interesse war geweckt. Er besuchte Seminare und arbeitete in der Rösterei mit.

In dieser Zeit kam ihm auch die Idee, eine Rösterei in Halberstadt zu eröffnen. „Mit einem angeschlossenen Café, um den Leuten in gemütlicher Atmosphäre zu vermitteln, was der Unterschied zu industriellem Kaffee ist“, sagt Löper. Im Mai 2007 eröffnete er sein Geschäft in Halberstadt, im vergangenen Jahr folgte eine Filiale in Wernigerode.

Mit seiner Geschäftsidee lässt er eine Tradition in Halberstadt wieder aufleben:  Schon 1903 gründeten die Brüder Hugo Büttner sen. und Wilhelm Büttner eine Kaffeerösterei in der Domstadt, die später eine Zweigstelle in Berlin hatte. Alte Blechdosen und Geschirr seiner Vorgänger stellt Steven Löper in seinem Café aus.