Kommunen sind auch in der Verantwortung, wenn es um herrenlose Katzen geht, berichteten wir auf einer Leseranwalt-Seite im September. Der Deutsche Tierschutzbund hatte zu einer Leseranfrage aus Hötensleben (Landkreis Börde) darauf verwiesen, dass Tierschutz in Deutschland als Staatsziel im Grundgesetz verankert und eine Kommune zudem zur Gefahrenabwehr verpflichtet sei. Jetzt erreichte uns eine andere Leseranfrage zum Thema.

Damals erklärte der Deutsche Tierschutzbund, dass das unkontrollierte Anwachsen zum Beispiel einer Katzenpopulation zu Gefahren im Straßenverkehr führen könnte, die Tiere selbst seien durch zunehmende Populationsdichte erhöhtem Stress ausgesetzt und damit krankheitsanfälliger.

Aber die große Anzahl freilebender Katzen stelle sowohl Tierschutzvereine als auch Kommunen vor große, manchmal nahezu unlösbare – auch finanzielle – Aufgaben, stellte die Vereinigung fest und appellierte, die Tiere frühzeitig beim Tierarzt kastrieren zu lassen, da Katzen zwei bis drei Mal im Jahr jeweils vier bis sechs Junge bekommen können. Viele der ungewollten Katzenbabys müssten dann draußen ums Überleben kämpfen.

Solche bedauernswerten Kreaturen hatte auch Kathrin Bierig aus Egeln (Salzlandkreis) schon länger als ein Jahr beobachtet – herrenlose, scheue Kätzchen in einem objektiv sehr schlechten Zustand, ausgemergelt, mit verklebtem und verfilztem Fell.

Ob da nicht etwas getan werden könne, hatte die Tierfreundin beim Ordnungsamt nachgefragt – und zunächst eine abschlägige Antwort erhalten. Sie selbst aber könne sich eine Kastration der Tiere nicht leisten, schrieb sie uns nun und fragte, ob es nicht auch aus kommunaler Sicht sinnvoll wäre, Katzen ohne Besitzer zu kastrieren.

Denn verwahrloste Katzen, die sich unkontrolliert vermehren und eventuell Krankheiten verbreiten, seien nun wahrlich kein schönes Bild, meint die Tierschützerin.

Und wie steht die Stadt Egeln dazu? Antwort erreichte uns vom Bürgermeister der Verbandsgemeinde Egelner Mulde, Michael Stöhr. Die Mitarbeiter der Verwaltung handelten sehr wohl bei konkreten Hinweisen auf verwilderte Katzen, versicherte er.

In Egeln zum Beispiel seien im Zeitraum 2009/2010 acht streunende Katzen im Auftrag der Gemeinde eingefangen und sterilisiert beziehungsweise kastriert worden.

Das kann nun demnächst auch mit den Katzen geschehen, die Kathrin Bierig immer vor ihrem Fenster sieht. Da sie den Anblick der leidenden Tiere, die sich natürlich inzwischen bereits vermehrt haben, nicht länger ertragen konnte, bat sie auch den Tierschutzverein um Unterstützung – der ebenfalls beim Bürgermeister vorsprach. Bald schon können die Kätzchen nun eingefangen und vom Tierarzt kastriert werden.

Nach dem Vorbild der Gemeinde Hötensleben hat Bürgermeister Stöhr den Mitgliedern seiner Verbandsgemeinde übrigens eine adäquate Verfahrensweise empfohlen.

Den Hinweis, dass dortigen Tierfreunden, die herrenlose Katzen aufgenommen haben, seit 2008 ein finanzieller Zuschuss zur Kastration/Sterilisation gewährt wird, greife er gern auf, teilte er uns mit.

Bei künftigen ähnlichen Problemfällen in der Egelner Mulde sollte sich die Kommune an den Kosten erforderlicher Sterilisationen/Kastrationen von streunenden Katzen beteiligen, rät er.