Kheira ist völlig erschöpft. Vor 20 Minuten ist die Frau, die sagt, dass sie zwischen 45 und 50 Jahre alt ist, in Riba (Nordost-Kenia) eingetroffen. Sie lehnt an einem Holzpfeiler vor einer einfachen Hütte und erzählt, dass sie eine Woche unterwegs war. Mit ihren Kindern, einem Eselskarren und dem Wasserbehälter.

Von Bernd Kaufholz

Riba l Kheira ist Somalierin und sie kommt aus Waal Garas - mehr als 120 Kilometer von Riba entfernt. In Riba gibt es einen Brunnen. Das weiß sie. Angelegt aus Spendenmitteln. Pumpen drücken das Wasser am Ortsrand in zwei Hochbehälter. Einer für die Viehtränken, einer für die Menschen. "Zu Hause hat meine Familie noch sieben Kamele", sagt die Nomaden-Frau. "Unser einziges Vermögen." Allerdings gebe es schon seit Monaten in der gesamten Umgebung keinen Tropfen Wasser. Sie setzt alles daran, ihre letzten Kamele über die Dürre zu retten. "Damit die Tiere nicht verdursten, komme ich hierher und fülle den 40-Liter-Tank auf meinem Karren auf", sagt sie.

Damit läuft sie neben dem Karren eine Woche zurück, tränkt die Kamele, bleibt einen Tag in Waal Garas und macht sich dann erneut auf den Weg nach Kenia.

Sie sei mit ihren Kindern unterwegs - nachts durch die verdorrte Landschaft - und meide die Hauptwege, auf der sich am Tage auch die somalischen Milizen bewegten.

Die Somalierin wickelt sich fester in ihr rot-schwarzes Tuch ein, winkt und verschwindet in der Hütte. Am nächsten Morgen muss sie halbwegs ausgeruht sein für den Rückweg.