Berlin (dapd) l Die Telefonseelsorge der Kirchen erwartet Weihnachten wieder viele Anrufe von Menschen in Notlagen. Die Probleme Beziehungsstress und Einsamkeit treten an den Festtagen verstärkt zutage, wie der Geschäftsführer der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge, Bernd Blömeke, sagte. Signifikant mehr Anrufer als im übrigen Jahr würden aber nicht erwartet.

Angestaute Konflikte spitzten sich an den Festtagen zu, weil die Betroffenen sich auf engem Raum bewegten, sagte Blömeke. Sie könnten nicht wie gewohnt ausweichen. Emotionen würden schon einmal hochkochen. Seelsorger geben dem Anrufer das Gefühl, "mit seinem Ärger ankommen" zu können. Sie eröffneten ihm die Perspektive des anderen, um ihn versöhnlich zu stimmen.

Viele Menschen spürten außerdem zu Weihnachten die Einsamkeit deutlicher. Sie bekämen mit, "dass im Umfeld alle Leute zusammenfinden", sagte Blömeke. Die Tendenz in der Gesellschaft gehe dahin, dass sich Angehörige immer mehr aus den Augen verlören. Ein weiter Weg zu den Eltern schrecke manch einen von einem Besuch ab.

Probleme stellten sich auch, wenn der Partner gerade gestorben sei. Der Hinterbliebene müsse sich die Festtage neu gestalten. Die Telefonseelsorge rät, sich frühzeitig auf das Fest vorzubereiten. Kirchengemeinden, politische Gemeinden und Seniorenkreise böten zum Beispiel öffentliche Weihnachtsfeiern an. Die Telefonseelsorge ist ganzjährig rund um die Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800-1110111 erreichbar.