Halberstadt l Ein 31 Jahre alter Mann, der in den vergangenen Monaten während Trauerfeiern in die Wohnungen der Angehörigen eingedrungen ist, soll für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Das Amtsgericht Halberstadt verurteilte den geständigen Täter aus dem Börde-Kreis am Mittwoch wegen zwölf Fällen.

Die Masche, mit der der 31-Jährige vorging, schockierte selbst hart gesottene Polizeibeamte. Ganz gezielt Trauer und Schmerz von Angehörigen auszunutzen und zeitgleich zur Beisetzung deren Privaträume auszuräumen, sei nur schwer vorstellbar.

Genau so aber zog der 31-Jährige Schmuck, Bargeld – vorrangig aus Trauerkarten – sowie Münzsammlungen und Mobiltelefone an Land. Er studierte die einschlägigen Anzeigen-Inserate nach Trauerfeierterminen und schlug in den schwersten Stunden der Hinterbliebenen skrupellos zu.

Laut Polizei soll der 31-Jährige für insgesamt 26 Fälle verantwortlich sein. Seine Spur zieht sich quer durch mehrere Kreise im Westen Sachsen-Anhalts. In Quedlinburg, Wernigerode, Schwanebeck und Wegeleben im Harz hat der geständige Täter ebenso zugeschlagen wie in Haldensleben, Oschersleben sowie Wolmirsleben und Genthin.

In Genthin im Jerichower Land war es schließlich ein 17 Jahre alter Berufsschüler, der den Kripo-Beamten nach monatelangen erfolglosen Ermittlungen den entscheidenden Tipp gab. Dem 17-Jährigen war im August ein Auto aufgefallen. „Es parkte an einer Stelle, an dem sonst nie ein Auto steht“, so der Zeuge, der später ausgezeichnet wurde. Der 17-Jährige fotografiert den Wagen mit Wanzlebener Kennzeichen und obendrein die darin sitzende Frau.

Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte: Er lichtete die Lebensgefährtin des jetzt verurteilten Täters ab. Aus Sicht der Ermittler wartete die Frau in diesem Moment im Fluchtwagen auf den 31-Jährigen, der gerade wieder zuschlägt.

Als dieser Einbruch wenig später bekannt wurde, zählte der 17-Jährige eins und eins zusammen und wendete sich mit seinen Beobachtungen und Fotos an die Polizei. Das Kennzeichen brachte die Beamten einen großen Schritt weiter. Wenig später war es Kommissar Zufall, der den Beamten half. Besagter Wagen wurde in Magdeburg geblitzt – das Frontalfoto der Frau brachte den endgültigen Durchbruch. Es war die 30 Jahre alte Lebensgefährtin des Täters. Wenig später wurde die Wohnung der beiden durchsucht und zuhauf Diebesgut auf den Einbrüchen sichergestellt.

Die Staatsanwaltschaft forderte vier Jahre Haft für den geständigen Täter – „wir werden prüfen, ob wir mit dem Urteil mitgehen“, so der Oberstaatsanwalt. Ob der 31-Jährige, der weiter in Haft bleibt, das Urteil akzeptiert, ist offen. Gegen seine Komplizin läuft ein gesondertes Verfahren.