Magdeburg l Mit einer beispiellosen Kraftanstrengung haben die deutschen Hochschulen in der sogenannten Bologna-Reform ihre Studiengänge umgestellt. Ziel war ein Regelabschluss nach nur drei Jahren, der Bachelor. Jetzt zeigt sich: Ausgerechnet der Staat als Arbeitgeber sieht den Bachelor skeptisch.

Für den höheren Dienst jedenfalls qualifiziert der Abschluss nicht. Das hat Sachsen-Anhalts Finanzministerium jetzt auf Volksstimme-Anfrage bestätigt. Für eine Laufbahn als Top-Beamter brauchte es früher das Diplom, Regelstudienzeit meist vier Jahre. Mittlerweile ist es der Master, Regelstudienzeit: fünf Jahre. Wer direkt nach dem Studium in den höheren Dienst einsteigen will, muss die Hörsaalbänke also heute länger drücken als vor der Bologna-Reform.

Sachsen-Anhalts Finanzministerium, zuständig für das Beamtenrecht, hält das für richtig. „Die Qualitätssicherung hat oberste Qualität“, heißt es zur Begründung. Ein Bachelor qualifiziere für eine Tätigkeit als Sachbearbeiter und für einfache Leitungstätigkeiten. Für die herausgehobene Leitungsebene sei der Master notwendig.

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Die Wissenschaftsminister der Länder freilich hatten das ganz anders geplant. Der Bachelor sollte als Regelabschluss für den Beruf dienen. Das anschließende Master-Studium war für jene gedacht, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich sogar im Koalitionsvertrag vorgenommen, Bachelor-Absolventen auch den höheren Dienst des Bundes zu öffnen.

Dieses Vorhaben ist nun gescheitert. Bereits im Dezember hat sich die Innenministerkonferenz gegen eine Aufwertung des Kurz-Studiums ausgesprochen. „Sachsen-Anhalt hat dem zugestimmt, da kein Grund ersichtlich ist, die bestehenden hohen qualitativen Anforderungen für den Zugang zum höheren Dienst zu verringern“, heißt es zur Begründung aus dem Innenministerium.

Für Hochschulabsolventen, die in den Staatsdienst streben, geht es um viel Geld. 2300 Euro zahlt Sachsen-Anhalt als Einstiegsgehalt in der Besoldungsgruppe A 9. Ein Master-Absolvent hingegen beginnt in A 13 mit 3600 Euro.

Die Hochschule Harz, die jährlich zwischen 140 und 250 Absolventen der Verwaltungswissenschaft entlässt, bedauert die Entscheidung. „Die Verlängerung der Ausbildung ist keine glückliche Entwicklung“, sagt Rektor Armin Willingmann. „Die Bologna-Reform wird in diesem Bereich nicht umgesetzt.“ Auch der Deutsche Beamtenbund sieht das kritisch. „Das passt überhaupt nicht zu dem, was die Kollegen dann als Besoldung bekommen“, sagt Landesvorsitzender Wolfgang Ladebeck.