Bebertal l Neben einer prächtigen Esskastanie soll es passieren. Im Schlosspark, der sich an die Veltheimsburg Bebertal anschließt, nehmen Standesbeamte künftig Paaren das Ja-Wort ab. „Wir wollen raus aus den verstaubten Amtsstuben“, so erklärt Bürgermeisterin Steffi Trittel die Entscheidung der Gemeinde Hohe Börde für Trauungen auf der Wiese. Bisher konnte man zwar auch schon auf dem Schlossgelände heiraten, allerdings nur drinnen.

Wer einen freien Hochzeitsredner bucht, kann seine Zeremonie grundsätzlich abhalten, wo er möchte. Für eine rechtsgültige Trauung hingegen gibt es strenge rechtliche Vorgaben. Erst seit einer Lockerung des Personenstandsgesetzes im Jahr 2010 ist es in Sachsen-Anhalt überhaupt möglich, dass ein Standesbeamter Paare unter freiem Himmel vermählt. Dies ist nun auf Flächen erlaubt, die direkt mit einem Objekt verbunden sind, in dem es ein Trauzimmer gibt – vorausgesetzt, die Kommune segnet sie ab.

Zudem muss sichergestellt sein, dass der Datenschutz eingehalten wird. Hier sieht Sigrun Quente, Vorsitzende des Fachverbandes der Standesbeamten Sachsen-Anhalts, Probleme: „Bei einer Trauung werden sehr persönliche Daten wie die Adresse des Paares verlesen. Außenstehende könnten sie mithören. Außerdem ist es möglich, dass Fremde die Zeremonie filmen und zum Beispiel als Belustigungsvideo ins Internet stellen.“

Hochzeiten auf Burghof und Floß

Nur vereinzelt gibt‘s in Sachsen-Anhalt Orte, an denen man sich im Freien trauen lassen kann. In Magdeburg beispielsweise ist es gar nicht möglich. Im Landesnorden zählen zu den Orten neben dem Park in Bebertal die Schlossgärten Detzel (Börde) und Blankenburg (Harz), ein Floß in Parey (Jerichower Land), der Hof der Wasserburg Egeln und die Wiese am Wippertal-Hotel Ilberstedt (beides Salzlandkreis).

Die Vorgaben sind hier anscheinend kein Problem. Brigitte Schulze, die seit 2013 Paare unter freiem Himmel in Detzel vermählt, erklärt: „Der Ort der Trauung ist durch Bäume geschützt. Zusätzlich passen Angestellte des Schlosshotels auf, dass nur die Hochzeitsgesellschaft dabei ist.“ Für Dokumente, die gerade nicht gebraucht würden, gebe es abschließbare Schränke. Und auch auf Wetterkapriolen sei man vorbereitet: „Die Bäume halten Nieselregen ab, bei Starkregen gehen wir hinein.“

Auf dem Hof der Wasserburg Egeln, wo seit vier Jahren Ehen besiegelt werden, wird der Datenschutz mit einem Kniff sichergestellt. Standesbeamter Uwe Lachmuth: „Das Verlesen der Daten und das Unterschreiben erledigen wir vor der Zeremonie mit dem Paar im Eheschließungszimmer.“ Zudem seien immer zwei Kollegen vor Ort, sodass einer Außenstehende im Blick behalten könne.

Auch in der Gemeinde Hohe Börde hat man sich vorbereitet. „Wir trauen die Paare an einer recht abgelegenen Stelle im Park und verzichten auf Mikrofone“, sagt Standesbeamtin Birgit Blancke. Bei schlechtem Wetter geht‘s hinein ins Schloss; wenn‘s nur nieselt, schützt ein Pavillon Dokumente und Brautfrisur. Nur eines fehlt noch: die erste Anmeldung.