Magdeburg l „Studieren in Fernost" war gestern – Nach dem Auslaufen der Werbekampagne für die Hochschulen der neuen Länder geht Sachsen-Anhalt jetzt eigene Wege: „Studiere, was dich wirklich weiter bringt", heißt das neue Konzept, in dessen Mittelpunkt die Persönlichkeitsentwicklung steht. Mit dem Programm wollen die sieben Hochschulen im Land künftig zwei Millionen angehende Abiturienten in ganz Deutschland ansprechen. Das Wirtschaftsministerium stellt dafür bis 2018 fünf Millionen Euro bereit.

Hintergrund ist die Sorge, wegen des Bevölkerungsrückgangs Studenten zu verlieren. Geht ihre Zahl zurück, wäre die Finanzausstattung der Hochschulen gefährdet. „Studien haben zudem ergeben, dass die Hälfte der Abiturienten in Deutschland wenig bis gar nichts mit dem Hochschulstandort Sachsen-Anhalt verbindet", sagt Projektkoordinatorin Melanie Hyll. Das soll die Kampagne ändern: „Wir wollen modern, sympathisch, kreativ und innovativ dastehen", betont Hyll.

Inhaltlich holen die Ideengeber die „Generation Y" der Jahrtausendwende bei ihren Lebenssorgen ab. „Bei der Studienwahl haben sie wahnsinnige Angst, etwas falsch zu machen", sagt Anette Scholz, Professorin an der Burg Giebichenstein in Halle, die für das Konzept verantwortlich ist. „Gleichzeitig wollen sie etwas Sinnstiftendes tun." Genau hier setze die Kampagne an. Auf der Webseite „wirklichweiterkommen.de" können Interessenten seit Freitag einen wissenschaftlich fundierten Persönlichkeitstest ausfüllen. Mehr als 40 Fragen erstellen dabei ein virtuelles Profil.

Das Portal leitet die Nutzer zu einer Suchmaschine weiter. „Dort sollen die jungen Leute ein Gefühl dafür bekommen, welcher Studiengang zu ihnen passt", erklärt Hyll. „Wenn sie sich dann für ein Studium in Sachsen-Anhalt entscheiden, haben wir unser Ziel erreicht", ergänzt Anette Scholz. Mit einer Social-Media-Agentur will die Kampagne die Zielgruppe zudem über Facebook, Youtube und Instagram erreichen. Dazu haben die Macher mehrere Motivationsbotschaften entworfen, darunter: „Werde, wovon du immer geträumt hast".

Auf der Webseite verlinkt sind darüber hinaus Videoportraits von Studenten und Absolventen aller sieben Hochschulstandorte des Landes: „Ein Studium in Sachsen-Anhalt ist familiär, man fühlt sich gut aufgehoben", sagt etwa Marlen Hofmann, Absolventin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Obwohl die Kampagne stark auf digitale Kanäle setzt, zeigen die Hochschulen sich auch in der echten Welt. So sind Stände auf Messen, bei Festivals und in Großstädten geplant. Den Auftakt bildete am Freitag eine Podiumsdiskussion in der Landesvertretung in Berlin.

Mit Vorgänger-Kampagnen haben die ostdeutschen Länder gute Erfahrungen gemacht. So förderte der Bund das länderübergreifende Programm „Studieren in Fernost" von 2009 bis 2015 mit 22 Millionen Euro. Die Zahl der westdeutschen Studenten im Osten stieg daraufhin teils um 150 Prozent.

Ob solche Werte auch mit der neuen Kampagne erreicht werden, ist offen. Anette Scholz jedenfalls ist von deren Erfolg überzeugt. „Wir haben eine tolle Hochschullandschaft" sagt sie. „Jetzt werden wir sie bekannter machen."

Direkt zur Kampagne geht es hier.